"Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe.

Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar,

daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen."

 

Jacob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905 

 

 

Tagebuch eines Hilflosen

 

18-08-2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der amerikanischen Umweltbehörde, ist ein konsequenter Mann, der weder Komplikationen noch Kompliziertheiten mag. Also beschneidet er ein Naturschutzgesetz nach dem anderen, feuert Ausschussmitglieder, die der Ansicht sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist, nimmt tausende Webseiten mit Emissionsdaten seiner hauseigenen Wissenschaftler vom Netz und lädt anschließend Industrielobbyisten dazu ein, Umwelt-Expertisen für ihn zu erstellen.

Treffen mit Umweltschützern meidet er, Interviews gibt er nicht und Auskünfte ebensowenig. Und dazu hat er auch allen Grund: Er verachtet die kritischen Wissenschaftler, die investigativen Journalisten, die besorgten Bürger. Er verabscheut ihre Kultur der Kritik, der Analyse und Anteilnahme. Und aus dieser Verachtung konstruiert er sich ein Gegenbild: die Natur. Es ist eine Natur, die roh ist und rein. Eine raues, urwüchsiges Etwas, das keiner Studien, Berichte oder Nachfragen bedarf, denn alles in ihr regelt sich selbst.

In Scott Pruitts Welt ist die Rechnung deshalb ganz einfach: Wenn der Chef der Umweltbehörde die Behörde abschafft, hat in seinen Augen die Umwelt gesiegt.

 

17-08-2017

Donald Trump hat die Absurdität zu seiner Sache gemacht, er hat den Irrwitz zurück auf die glänzenden Oberflächen des Tages gehoben. Die zusammenhanglosen Handlungen, die hinter ihm liegen, sind sein eigenes Werk, und es gibt für ihn keinen Grund, nach einer tiefergehenden Verbindung zu suchen. Es genügt ihm zu wissen, dass er es war, der sie ins Leben gesetzt hat. - Wir müssen uns Donald Trump als einen glücklichen Menschen vorstellen.

 

16-08-2017

Das war's mit der weißen Weste. In Texas wurde jetzt nach jahrelangen Prozessen das letzte von insgesamt 89 Mitgliedern der lokalen Arischen Bruderschaft verurteilt. Wegen Drogendelikten, Gewalttaten und Diebstählen wurden die (barb)arischen Brüder zu insgesamt 1.070 Jahren Haft verdonnert. Schusswaffen wurden bei ihnen natürlich auch gefunden, und zwar genau 88 Stück. Bei 89 Leuten hatte also einer keine besessen. Aber das hat seinen guten Grund: Eine Gang, die ein Methamphetamin mampfendes Monster namens Adolf verehrt, ist nie bis an die Zähne, sondern immer nur bis an die Zahlenysmbolik bewaffnet.

 

15-08-2017

Mitarbeiter der amerikanischen Naturschutzbehörde wurden von Regierungsbeamten aufgefordert, ihre Wortwahl zu ändern. Statt "Klimawandel" müssen sie jetzt "Wetterextreme" sagen, und aus der Forderung nach einer "Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen" soll der Wunsch nach einem "Aufbau von organischen Bodensubstanzen und einer Effizienzsteigerung beim Nährstoffverbrauch" werden.

Mit anderen Worten: In den USA heißt "Behördendeutsch" ab sofort "Neusprech".

 

14-08-2017

Trump und Pence ergänzen sich perfekt. Der eine gibt die Dreckschleuder, und der andere mimt den Saubermann. Zusammen stecken sie das Feld ab, in dem sich jeder wiederfinden kann. Es ist das Schlachtfeld einer zwischen Furor und Fatalismus hin und her pendelnden amerikanischen Tragödie.

 

13-08-2017

Erst ruft Donald Trump seine Geister - und dann wundert er sich, dass sie tatsächlich erscheinen. In Charlottesville, diesem beschaulichen Ort, an dem Trump schon seit Jahren sein eigenes Weingut besitzt. Der weiße, so heißt es, soll besonders gut sein.

 

12-08-2017

Trump droht dem Mars mit Krieg. Er hat gehört, das sei ein roter Planet.

 

11-08-2016

Manche leben auf großem Fuß.

Viele nehmen den Mittelweg.

Ich folge Trumpelpfaden.

 

10-08-2017

Donald Trump kann die Zukunft vorhersagen. Vor vier Jahren, am 31. August 2013, twitterte er: "Seid vorbereitet. Es besteht eine - wenn auch nur kleine - Gefahr, dass unsere abscheulichen Anführer uns unwissentlich in einen dritten Weltkrieg führen."

Und die Moral von der Geschicht'?

Schwarzseher waren schon immer die besten Hellseher.

 

09-08-2017

Aug um Aug in Gua - mmm...

 

08-08-2017

Scheitern als Erfolg... Wer in den USA Saisonarbeiter aus dem Ausland einstellen will, muss zwei Anzeigen in der Zeitung aufgeben, anschließend 14 Tage warten und dann nachweisen, dass er keine Amerikaner für den Job gefunden hat. Trumps Golf- und Luxus-Club Mar-a-Lago in Palm Beach ist geübt im Keine-Amerikaner-Finden. Also hat er auch in diesem Jahr wieder kleine Anzeigen mit viel Text aufgegeben und weder eine Internet- noch eine E-Mail-Adresse für Bewerber darunter geschrieben. Wer einen der schlecht bezahlten Jobs haben wollte, musste ein Fax schicken - an eine Nummer, hinter der sich ein Anrufbeantworter verbarg, der in einer Endlosschleife "Sorry", "Danke für den Anruf" und "Goodbye" sagte. Damit aber nicht noch jemand persönlich vorbeikommt und sich bewirbt, hat sich der Club entschieden, diese Woche lieber nicht an der lokalen Jobmesse teilzunehmen, bei der sich Arbeitssuchende den Clubs und Hotels in Palm Beach vorstellen können.

 

"Niemand gefunden", wird die Personalabteilung von Mar-a-Lago dem Arbeitsministerium demnächst mitteilen, die eigene Null gegen 70 fremde Saisonkräfte eintauschen, die weder im Land bleiben noch Trinkgeld nehmen dürfen, und sich dabei in bester Gesellschaft wissen. Schließlich hat die Trump-Regierung vor zwei Wochen 15.000 zusätzliche Visa für Saisonarbeiter aus dem Ausland bewilligt...

 

07-08-2017

Trump im Urlaub, Renovierungsarbeiten im Weißen Haus. Der Westflügel ist für die nächsten zwei Wochen Sitz der Handwerker-Regierung. Klimatechnik, Heizung und Sanitärarbeiten erledigt Calvary Mechanical, die Malerarbeiten übernimmt Cypress Painting, und die neuen Teppiche verlegt Microbase. Die Aufträge wurden noch von der Obama-Regierung vergeben. Alle Firmen gehörten bei Vertragsabschluss in die Kategorie 8(a), worunter jene kleinen Unternehmen gezählt werden, die bevorzugt öffentliche Aufträge bekommen, da sie auf dem freien Markt benachteiligt sind, von ethnischen Minderheiten betrieben werden oder sonstige soziale und ökonomische Einschränkungen erfahren. Anders gesagt: Sie sind der Gegenentwurf zu demjenigen, dem sie gerade das Häuschen herrichten. Empower statt Empire.

 

06-08-2017

Instant Karma, Drive-in-Jesus. In Daytona Beach/Florida gibt es Gottesdienste, bei denen man im Wagen bleiben kann. Eine Art Autokino mit transzendentaler Leinwand. Einfach auf die Wiese fahren, Parkplatz suchen, fertig. Der Geistliche predigt auf 88,5 Megahertz. Es gibt Oblaten so groß wie Kinderfingernägel. Und Wein, schlückchenweise eingeschweißt in Plastikbecher. Wenn's vorbei ist, fährt der Kirchendiener per Golfcart mit dem Klingelbeutel von Fahrertür zu Fahrentür. Er ist, wie alle Bediensteten hier, vorher vom FBI durchgecheckt worden. Die Gemeinde verfügt über einen sicheren Glauben - und über einen Vertrag mit der Fast-Food-Kette Krispy Kreme, die denjenigen, die hinterm Lenkrad sitzen und um Erlösung bitten, göttlich leckere Doughnuts liefern.

 

05-08-2017

"Früher hatte ich Melania, die sich für mich in aller Öffentlichkeit auszog, und in Russland hatte ich die weltschönsten Frauen, die mir ihre Körper auf dem Laufsteg darboten. Jetzt habe ich nur noch die Kombination aus beidem: Einen Russen namens Wladimir, der sich mir halbnackt beim Angeln präsentiert. Das Schlimmste aber ist, dass ich besser als jeder andere weiß, was die Botschaft dieser Bilder aus Sibirien ist, denn der tolle Hecht an Putins Haken - das bin ich."

 

(Aus: Donald Trump: Libidonnie, Washington D.C. 2017)

 

04-08-2017

West Virginias Gouverneur Jim Justice wechselt die Partei. Er geht von den Demokraten zu den Republikanern.

Die Demokraten wechseln ihren Parteislogan. Der neue lautet "The Better Deal".

Trump wechselt den Botschafter. Der für Belgien vorgesehen war, soll jetzt nach Frankreich gehen.

Und ich? Ich weiß nicht, ob Amerika im Wechselfieber oder in den Wechseljahren ist. Aber ich bin mir sicher, dass diese Wechselspiele nichts ändern werden, weil sich alles wieder verwächst.

 

03-08-2017

Tagebucheinträge sind Nachschriften einer vorangehenden Zeit. Sie verhalten sich zur Chronologie wie einzelne Puzzleteile zu einem Bild.

 

02-08-2017

Das Dorf Lebanon ist der geographische Mittelpunkt der Vereinigten Staaten, das Zentrum des Sturms - der Ort, an dem nichts passiert. Keine News, keine lokalen Ereignisse, noch nicht mal Polizeinachrichten finden sich an diesem zweiten August. Der einzige Lebanese, der etwas zu vermelden hat, ist ein Kerl, der sich "Krönender Deal" nennt und seit Tagen versucht, bei eBay eine Million irakischer Dinars für 900 Dollar an den Mann zu bringen. Aber niemand will seine Dinars haben, und seine Angebotsgebühr bei eBay muss er in Dollars bezahlen.

"Hard times forces sale", hat er unter seine Anzeige geschrieben, und so wie es aussieht ist eine Besserung nicht in Sicht. Aber wie auch? Der Irak ist für den einfachen Amerikaner schon seit Jahren ein Zuschussgeschäft.

 

01-08-2017

Anthony Scaramucci hat seine Arbeit als Konfrontationsdirektor des Weißen Hauses so gut gemacht, dass er bereits gestern - nach einem Zusammenprall mit dem neuen Stabschef - erfolgreich entlassen werden konnte.

Der gesamte Vorgang wird unter K wie Kellysion zu den Akten gelegt.

 

31-07-2017

Donald Trump ist der beste Beweis dafür, dass intellektuelle Schmalhänse oft die größten Dickköpfe haben.

 

30-07-2017

In Donald Trumps marktradikaler Sicht auf die Welt besteht die beste Regierung darin, keine Regierung zu haben. Da das nicht durchsetzbar ist (und er dann außerdem arbeitslos wäre), hat er sich für die zweitbeste Variante entschieden, die besagt, dass nur eine schlechte Regierung eine gute Regierung ist. So gesehen hat Donald Trump das Versprechen seiner eigenen Ideologie vollauf erfüllt.

 

29-07-2017

Foxconn, Produzent von Elektronik und hohen Selbstmordraten unter seinen Angestellten in China, will in den USA investieren und in Wisconsin eine neue Fabrik für LCD-Bildschirme errichten.

Bei Donald Trump herrscht Jubel: zehn Milliarden Dollar Investitionen, tausende neue Jobs.

Bei den Steuerzahlern in Wisconsin herrscht dagegen Trubel: drei Milliarden Dollar Subventionen, 17.000 Dollar staatliche Unterstützung pro Arbeitsplatz und Jahr, das Siebenfache der üblichen Zuschüsse.

Aber das ist die Dialektik des Deals: Flache Bildschirme, dicke Subventionen - und eine hohe Selbstverwirklichungsrate für Mr. Tlump.

 

28-07-2017

Nur für die Akten: Anthony Scaramucci ist neuer Konfrontationsdirektor im Weißen Haus.

 

27-07-2017

Heute ist in den USA Geh-mit-deiner-Zimmerpflanze-spazieren-Tag, und sämtliche Mitarbeiter des Weißen Hauses haben sich entschieden, ihre Palmen auszuführen. Donald Trump steht am Fenster und schüttelt den Kopf. "Was machen die Leute da draußen mit all den Palmen?", fragt er, aber es ist niemand da, der es ihm erklären könnte, und von alleine kommt er nicht drauf.

 

26-07-2017

Donald Trump hat heute entschieden, dass offen als Transgender lebende Personen nicht mehr beim US-Militär Dienst leisten dürfen. Das riecht verdächtig nach der übl(ich)en rechtskonservativen Sicht auf die Welt, ist in Wahrheit aber viel mehr. Denn jetzt wird endlich klar, was Trump am 14. Juni 2016 gemeint hat, als er auf Twitter den Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern dankte und ihnen zurief: "I will fight for you..."

 

25-07-2017

Laut der heute veröffentlichten Studie "Clinicopathological Evaluation of Chronic Traumatic Encephalopathy in Players of American Football" wiesen 110 von 111 American-Football-Spielern, deren Gehirne nach ihrem Tod untersucht wurden, Anzeichen einer bestimmten Form von Demenz auf, die häufig mit schweren Persönlichkeitsstörungen einhergeht. Diese oft als "Boxerwahnsinn" bezeichnete neurologische Erkrankung entsteht, wenn man über eine längere Zeit hinweg viele Stöße vor den Kopf bekommt.

Was aber passiert, wenn man über eine längere Zeit hinweg andere vor den Kopf stößt, mit Worten, Dekreten und Reden?

Falls es irgendjemand schafft, Donald Trumps Gehirn nach dessen Tod zu untersuchen, wird er - entgegen allen Erwartungen - vielleicht gar keine Demenz finden und auch keine Persönlichkeitsstörung, sondern die Erinnerungen eines Einzelnen, die ihren Ursprung im kollektiven "Wahnsinn" einer Nation hatten, in der Millionen Gehirne - unmerklich und über eine längere Zeit hinweg - in eine linke und eine rechte Hälfte zerfallen waren.

 

24-07-2017

Gesetze vom rechten Rand der Paragrafenwüste. In Florida konnten bis vor wenigen Monaten Ärzte dafür verklagt werden, wenn sie mit ihren Patienten über die Gefahren von Schusswaffen sprachen. Gouverneur Rick Scott und seine Republikaner hatten auf Druck der Waffenlobby im Jahr 2011 extra ein Gesetz dafür erlassen. Im Februar 2017 war es damit vorbei, und jetzt zahlt der Staat Florida das Millionen-Honorar der Anwälte, die das Gesetz vor Gericht zu Fall gebracht haben.

Es ist die perfekte $ymbiose. Ein Miteinander voller §ynergie-Effekte. Waffen und Gerichte bilden in den USA eine Lebensgemeinschaft, die vom Tod nicht geschieden, sondern von ihm geschmiedet wird. Den Blutzoll dafür aber zahlen die Leute, und die Ärzte versorgen sie dann. Mit Wundkompressen. Und jetzt auch wieder mit Worten. Welch Fortschritt!

 

23-07-2017

Vor drei Tagen hat Sean Spicer erklärt, Ende August sein Amt als Pressesprecher von Präsident Trump aufzugeben - und schon fangen die ersten an, aus dem gemeinen Lügner eine liebenswürdige Kultfigur zu machen. Die Verklärung hat also begonnen, während im Briefing Room des Weißen Hauses noch immer (und immer noch) die Gegenaufklärung läuft. Schenkelklopfende Erinnerungen im Videoformat. Schnittige Rückblicke in die Abgründe des Unwissens, der Ignoranz und der alternativ-alternierenden Fakten. Die Ironie sagt Hallo zu sich selbst, während der Zynismus vom Ich auf die anderen schielt, in der Hoffnung, noch ein paar weitere Köpfe zu kontaminieren... Und so geht's dahin. Geschichte wird nicht mehr gemacht, sie wird nur noch geskriptet, geschrieben, immer dann, wenn das Gelächter das Grausen ersetzt.

 

22-07-2017

... und Trumpelstilzchen nahm sein goldenes Haar und spann es zu Stroh. Dann stand er auf und rief die Leute, die seinem Märchen bisher nur aus der Ferne beigewohnt hatten, zu sich.

"Seht her", sagte er. Dann zog er seine Hose runter und kackte in das frisch gesponnene Stroh.

"Das habt ihr davon, dass ihr mich gewählt habt."

"Was für ein Mist!", riefen die Leute und fingen an, darin nach Gold zu suchen.

 

21-07-2017

Aus den Tiefen der Geschichte an die Oberflächen der Republikanischen Partei: Die John Birch Society ist wieder da! Über 100.000 Mitglieder waren es mal, damals in den 1950er und 60er Jahren. Sie hatten eine Mission: Sie wollten die kommunistische Unterwanderung der USA beenden. Aber die Kommunisten sind nie gekommen - und die John Bircher irgendwann gegangen. Einer nach dem anderen, bis sie fast alle waren. Aber jetzt sind sie zurück. Die meisten von ihnen sind Männer. Sie haben sich durch gemeinsames Anschauen von Trumps Reden vermehrt und fordern jetzt voller Inbrunst, dass alles außer Trump und ihnen, den John Birchern, verschwindet. Als da wären: die UNO, das Bildungs- und Energieministerium, Einschränkungen im Waffenbesitz, der Großteil des Regierungsapparats... Sogar die Aufarbeitung des russischen Einflusses auf die Präsidentschaftswahl wollen sie stoppen. Dabei konnten die John Bircher früher nicht genug Russen finden. Laut Bob Dylan haben sie sogar in ihren Kloschüsseln nach Roten gesucht. Dabei war dort alles braun. John Birch Society-Braun.

 

20-07-2017

Ein halbes Jahr führe ich nun schon dieses Tagebuch, und mit jedem Eintrag, den ich schreibe, wächst die Hilflosigkeit. Mit der Hilflosigkeit aber wächst dieses Tagebuch. Ich drehe mich im Kreis. Ich umkreise eine Präsidentschaft. Ich bin ein Hilfloser, der Bericht von einem anderen Hilflosen gibt.

 

19-07-2017

"Obamacare ist gefallen. Ein alter Mann ohne Lippen hat ihm den Garaus gemacht. Krankheit und Tod unzähliger Menschen werden Mitch McConnell in den Rang eines Unsterblichen heben."

 

Diese Zeilen hatte ich vor zwei Tagen geschrieben, in der Erwartung, dass die Republikaner im US-Senat ihren Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform durchbekommen. Sie haben es nicht geschafft - und dennoch bleiben diese Zeilen bestehen. Als Zeichen dafür, dass es die Aufgabe jeder Geschichtsschreibung ist, die Alternativen mitzuerzählen, in dem Wissen, dass alle "historischen Tatsachen" immer nur das Produkt einer Sammlung von Möglichkeiten sind, von denen einige zum Fakt geronnen sind - und andere nicht.

 

18-07-2017

Heute vor 92 Jahren erschien Hitlers "Mein Kampf". Das Buch verkauft sich in den USA noch immer ganz gut. Trump gehört allerdings nicht zu den Lesern. Er bevorzugt, wie man aus einem älteren Interview weiß, "The Speeches of Adolf Hitler".

 

17-07-2017

Das Weiße Haus wird eine "Made in America"-Woche veranstalten. Ich empfehle Ivanka Trumps Klamotten, Taschen und Schuhe. Die werden zwar in Vietnam, Indonesien, China, Indien, Bangladesch und Äthiopien hergestellt, aber die Idee für das "Women who work" Schild, das überall dranhängt, stammt von Ivanka, genau wie der Slogan, der draufsteht. Er lautet: "Handle zielstrebig".

Aber vielleicht galt der auch nur der Polizei in Bandgladesch, die sehr zielstrebig gehandelt und im Dezember einen Streik von Näherinnen, die eine bessere Bezahlung wollten, mit Gewalt aufgelöst hat. Anschließend wurden tausende Frauen von den Fabrikbesitzern entlassen.

Viele Firmen haben dagegen protestiert, Ivankas Firma nicht. Und Ivanka selbst hat andere Sorgen. Sie muss ihr Image als Kämpferin für Frauenrechte pflegen. Außerdem arbeitet sie full-time im Weißen Haus. Eine Themenwoche steht an. Es ist alles "Mad in America".

 

16-07-2017

Die Welt will ins Gleichgewicht gebracht werden, und wenn einer eine Rolle rückwärts macht, muss ein anderer eine vorwärts tun...

Nachdem gestern viele Demokraten dafür gesorgt haben, dass das Pentagon den Anstieg des Meeresspiegels künftig in Dollarscheinen abbilden kann, hatte heute ein Reporter von Trumps Haus-und-Hof-Sender Fox News einen lichten Moment. "Warum folgt Lüge auf Lüge auf Lüge?" hat Shepard Smith mit Blick auf Trump, dessen Sohn und Russland gefragt.

Die Antwort lieferte ihm eine Sentenz aus Walter Scotts "Marmion". Darin heißt es: "Oh, welch verworren Netz wir weben, wenn wir nach Trug und Täuschung streben..."

 

15-07-2017

Trump hatte im Mai mehr Geld fürs Militär verlangt und ein Jahresbudget von 668 Milliarden Dollar gefordert. Dem Repräsentantenhaus war das allerdings noch immer zu wenig. Also hat es ihm gestern 696 Milliarden gegeben. Sogar ein Großteil der Demokraten hat dafür gestimmt.

Und das Geld wird auch wirklich benötigt, denn in der entsprechenden Beschlussfassung wird der Klimawandel als nationales Sicherheitsrisiko bezeichnet. Mit anderen Worten: Wenn die einen viel Kohle verfeuern, dürfen die anderen noch mehr Kohle verfeuern. Ein echt kohlegiales Miteinander. Nur ist das Ergebnis leider ein - Kohllateralschaden.

 

14-07-2017

Holy Shit! Notverordnung in Nevada! Weil die Nachfrage nach dem kürzlich per Gesetz legalisierten Marihuana so groß und die Zahl der Vertriebslizenzen so klein ist, wurden durch ein "Statement of Emergency" des Gouverneurs kurzerhand neue Lizenzen ausgestellt.

Für den Gouverneur ist es ein simpler Verwaltungsakt, für die Potheads dagegen ein himmlisches Ereignis, die Verwirklichung ihrer heiligen Trinitätslehre: Gesetzeserweiterung - Lizenzerweiterung - Bewusstseinserweiterung.

 

13-07-2017

In Paris (Arkansas) trafen sich die Gemeindevertreter, besprachen politisches Klein-Klein und tauschten sich über die Finanzlage aus. Ergebnis: Die Stadt, so der Bürgermeister, sei "in good shape".

In Paris (Frankreich) trafen sich Trump und Macron, besprachen politisches Groß-Groß und tauschten sich über ihre Frauen aus. Ergebnis: Macrons Frau, so Trump, sei "in good shape".

Tja, das nenn ich mal ein echtes "pari"...

 

12-07-2017

US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue hat ein zweites Amt. Seine Heimatkirche in Warner Robins (Georgia) hat ihn zum Missionar für Washington ernannt. Zu Recht, denn Perdue ist ein wirklich gläubiger Mann. Als er noch Gouverneur von Georgia war, hat er während einer langen Trockenperiode vor seinem Amtssitz ein "Prayer for Rain" abgehalten. Geregnet hat es danach nicht, aber das ist jetzt egal, um nicht zu sagen sogar ganz gut, denn Sonny Perdues Aufgabe ist es, den Sumpf in Washington trockenzulegen. Für morgen sind allerdings Schauer angekündigt, für Freitag Regen. Im Umkreis von Trump, so scheint's, führt der Weg zur Moral durch den Morast.

 

11-07-2017

In New Jersey hat der dicke Gouverneur, den kaum einer mag, letzte Woche alle öffentlichen Strände sperren lassen, weil man sich in seinem Bundesstaat nicht auf einen Haushalt einigen konnte. Dann hat sich der dicke Gouverneur mit seiner Familie an einen der geschlossenen Strände gelegt und gesagt, er dürfe das. Daraufhin mochten ihn noch weniger Leute. Einige haben ihm das gestern bei einer Anruf-Show im Radio zu verstehen gegeben. Der dicke Gouverneur aber hat gesagt, dass er ihre Kritik nicht versteht und die Anrufer als Kommunisten bezeichnet.

Wenn er so weiter macht, fangen die Leute in Amerika noch an, die Kommunisten zu mögen.

 

10-07-2017

Donald Trumps Top-Fundraiser heißt Mr. Obst. Er sorgt dafür, dass den Leuten Millionen an Dollars aus den Taschen fallen. Er braucht sie dann nur noch einzusammeln. Wie reife Früchte vom Baum der Erkenntnis. Der in diesem Fall ein Baum des Bekenntnisses ist. Wer spendet, bekennt sich zu Donald Trump. Und zu Vize-Präsident Mike Pence. Eben jener Mike Pence, der ebenfalls fleißig am Geldsammeln ist und in privaten Fundraising-Dinners in seinem Amtssitz regelmäßig Hedgefond-Manager, Chefs ultrakonservativer Think-Tanks, die Vorstände von Dow Chemical oder den Öl-Multi Charles Koch einlädt, damit sie ungestört speisen und spenden und sprechen...

 

09-07-2017

Manchmal, wenn mir die Welt im Allgemeinen und Trumps Politik im Besonderen vollkommen irre vorkommt und alles und jeder durchzudrehen scheint, lese ich Landwirtschaftsnachrichten aus dem Mittleren Westen. Da sind die Katastrophen erdiger, und wenn ich die Diskussionen der Bauern in den einschlägigen Foren verfolge, habe ich das Gefühl, dass das Böse besiegt werden kann. Gerade wird viel über den alles zerfressenden Japankäfer diskutiert, eine Art biologischer Kamikaze-Bomber mit grünem Kopf und kupferfarbenem Körper. Dem Käfer wird jetzt mit Seifenwasser zu Leibe gerückt. Das Landwirtschaftsministerium von North Dakota ist informiert. Amerika befindet sich im saubersten Kampf seiner Geschichte.

 

08-07-2017

Trump: Habt ihr die Wahl gehackt?

Putin: Nein!

Trump: Mist, ich hab letztens gesagt, ihr wart's.

Putin: Dann sag einfach, wir waren's doch nicht.

Trump: Aber dann widerspreche ich mir.

Putin: Das ist nicht schlimm. Wir beide sind schließlich Meister in Doppeldenk und Neusprech, nicht wahr? Du musst nur noch lernen, das in die richtigen Worten zu packen. Zum Beispiel in die eines Gedichts. Niemand misstraut Gedichten. Zitiere ein Gedicht und man hält dich für einen guten und friedfertigen Mann.

Trump: Aber ich kenne keine Gedichte. Und ich bin auch kein...

Putin: Ich weiß, ich auch nicht. Aber ein Gedicht habe ich trotzdem gelernt. Sogar auswendig. Es ist von einem Amerikaner.

Trump: Ein Amerikaner? Sehr gut! Schieß los!

Putin: Also gut, sprich mir nach: "Widerspreche ich mir?"

Trump: "Widerspreche ich mir?"

Putin: "Wohlan, ich widerspreche mir."

Trump: "Wohlan, ich widerspreche mir."

Putin: "Das ist ein Zeichen von Größe, ich vereine vieles in mir."

Trump: "Das ist ein Zeichen von Größe, ich vereine vieles in mir. Ich bin schließlich der Präsident der Vereinigten Staaten."

Putin: Ich hätte es nicht besser sagen könnnen...

 

(Und beide ab.)

 

07-07-2017

Am 11. Oktober 1986 trafen sich Reagan und Gorbatschow in Reykjavik, um über Abrüstung zu sprechen. Es gab kein Staatsbankett, keine Hymnen, keinen roten Teppich, keinen riesigen Tross überzüchteter Gehirne. Nur ein einfaches Holzhaus am Rande der Stadt, in dem man sich traf. Für ein paar hunderttausend Dollar an Kosten gab es zwar keine Einigung, aber einen Anfang.

Heute, wenn Trump und Putin sich in Hamburg treffen, auf einer extra für sie errichteten Insel inmitten der Stadt, gibt es für hunderte von Millionen noch nicht mal den.

 

06-07-2017

"E, Uropa!"

 

(Aus: Donald Trump: Grußadresse an Europa, Washington D.C. 2017.)

 

05-07-2017

Dass Donald Trump bei den Republikanern ist, liegt nur daran, dass die Partei, die ihm am nächsten gestanden hätte, nicht mehr existiert, da sie sich bereits 1860 aufgelöst hat. Die Inhalte aber hätten gepasst, denn die Partei sprach sich gegen Einwanderung aus, lehnte fachliche Expertisen ab und argumentierte streng populistisch. Außerdem redeten ihre Mitglieder mit Vorliebe von Wahlbetrug, hassten das politische Establishment und waren Anhänger diverser Verschwörungstheorien. Das Beste aber war der Name der Partei. Er war wie geschaffen für einen Mann wie Donald Trump. Sie hieß: The Know-Nothing-Party.

 

04-07-2017

Unabhängigkeitstag? Knapp 52% der Amerikaner sind in irgendeiner Form auf staatliche Unterstützung angewiesen. Donald Trump gehört nicht dazu. Er bekommt seine Hilfe von der Deutschen Bank. Bei der steht er mit 130 Millionen Dollar in der Kreide. Aber was macht's?! Trump ist too big to fail. Er ist die Systemrelevanz in Person. Er ist - mit einem Wort - der Abhängigkeitstage-Erzeuger.

 

03-07-2017

Es ist ein Klimawandel in den Blutbahnen, und die Zahl der Toten steigt wie der Meeresspiegel im Zeitraffer. Eine extrem starke Droge namens Opioid überschwemmt die USA. Dagegen ist Heroin zu nehmen wie einen Schluck Mineralwasser zu trinken. Aber die Millionen von Abhängigen interessiert das nicht. Sie fressen es, weil es ihre Sorgen auffrisst. Opioeat.

 

02-07-2017

Auf Donald Trump ist Verlass: Wer ihn bedingungslos unterstützt, den lobt er in den höchsten Tönen. So zum Beispiel gestern Abend bei einer Rede in New York den Baptistenprediger Robert Jeffress. Der hatte im Wahlkampf erklärt, wer als Christ sein Kreuz nicht bei Trump mache, sei ein Idiot. Außerdem, so der bekannte TV-Prediger, habe Gott nichts gegen Mauern, er habe nur was gegen Schwule, Juden, Katholiken, Moslems und Mormonen (wenn auch nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge). Was Trump betrifft, so ist sich Pastor Jeffress jedenfalls sicher, dass Gott ihn gesandt hat, das sei ihm nach einem gemeinsamen Cheeseburger-Essen bei Wendy's klar geworden.

Und siehe da, auch mir wird plötzlich etwas klar, denn ich verstehe endlich, was der wahre Unterschied zwischen Alter und Neuer Welt ist: In Europa beten sie in prunkvollen Kirchen die Knochen von Heiligen an, in Amerika dagegen lassen sie sich in einer einfachen Burger-Brat-Bude von 220 Gramm Rindfleisch erleuchten.
 

01-07-2017

Ich hatte heute einen Wunsch: Ich wollte mich wie Donald Trump an einem ganz normalen Samstagnachmittag fühlen. Also hab ich mir die Golfschläger geschnappt und eine Runde gedreht. Es lief gut, aber am letzten Loch habe ich den Ball böse verzogen - und während er auf Nimmerwiedersehen im Wasser verschwunden ist, ist mir plötzlich etwas klar geworden: Ein guter Spieler macht einen schlechten Schlag und wird demütig. Ein schlechter Spieler macht einen guten Schlag und wird hochmütig. Und da war's mit der Einfühlung vorbei. Also hab ich mir die Golftasche umgehängt, bin auf mein Fahrrad gestiegen und hab den als Spaziergängern verkleideten Security-Beamten zugerufen, sie könnten die schwarze Limousine heute ohne mich nach Hause fahren. Sie haben mich angeschaut als sei ich der Präsident der Vereinigten Staaten...

 

30-06-2017

Trump regt sich auf, weil eine Moderatorin, die er nicht mag, sich während eines Empfangs bei ihm anzubiedern versucht hat, und das, obwohl sie, wie er sagt, nach einem Facelifting noch im Gesicht blutete.

 

Die Leute regen sich auf, weil Trump in aller Öffentlichkeit so über die Moderatorin spricht und sie obendrein noch eine Verrückte mit einem niedrigen IQ genannt hat.

 

Gott regt sich auf, weil weder Trump noch die Leute verstehen, dass das Blut nicht die Folge eines chirurgischen, sondern eines demiurgischen Eingriffs war und er einfach mal schauen wollte, wie die Menschen auf göttliche Wundmale reagieren. Aber so wie es aussieht, scheint heutzutage niemand mehr die Sache mit den Stigmata zu verstehen.

 

Und ich? Ich rege mich nicht, ich schreibe nur auf, was Trump, die Leute und Gott mir nach eins, zwei, drei Gläsern Wein so alles erzählen.

 

29-06-2017

Ein gewöhnlicher Donnerstag. Alles läuft so dahin. Nur nicht in Nicholasville, in Kentucky, denn da ist nichts mehr an seinem Platz. Ein Sturm hat vor ein paar Tagen gewütet, und die Leute reden noch immer darüber. In der Old Danville Road, so heißt es, hat er einen Carport zwei Fuß vom Haus weggerückt und anschließend das Auto aus der Garage geschoben. Danach ist er in die Hall Road gezogen, um einem Hühnerstall Kopfstand zu lehren und hat, zu guter Letzt, einem Hund seine Hütte geklaut. Der Hund ist jetzt obdach-, das Dutzend Hühner leblos. Aber kein Grund zur Sorge. Das mit den Hühnern läuft immer so in Kentucky...

 

28-06-2017

In einigen von Donald Trump's Golfclubs hängt ein Cover des "Time-Magazine" vom 1. März 2009, das Trump in Großaufnahme zeigt und in den dazugehörigen Schlagzeilen von seinen Erfolgen berichtet. Das Problem ist nur: Am 1. März 2009 ist gar kein "Time Magazine" erschienen. Und Donald Trump war im Jahr 2009 auch nie auf dem Cover. Mit einem Wort: die Sache ist eine Fälschung.

So weit, so verständlich bei einem Narziss und Egomanen. Was aber heißt es, wenn ein Mann, der die klassischen Medien als Hort von Fake-News bezeichnet, ein solch klassisches Medium nutzt, um mit seiner Hilfe einen Fake zu seinen Gunsten zu erzeugen? Sind Fake News x Fake News = Good News? Oder beginnt in den USA der Marsch durch die Institutionen statt mit einem Philosophie-Seminar mit einem Photoshop-Tutorial?

 

27-06-2017

"Merke: In den USA ist die Länge des Bartes der herrschenden Ideologie indirekt proportional zur Länge des Bartes ihrer Vertreter."

 

Quelle: Lexikon der politischen Grundbegriffe,

Stichwort: Neolibärtalismus.

 

26-06-2017

Am 26. Juni 2015 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass gleichgeschlechtliche Paare das Recht haben, zu heiraten. In Reaktion darauf erstrahlte das Weiße Haus an diesem Abend in Regenbogenfarben.

Am 26. Juni 2017 entschied der Oberste Gerichtshof, dass Donald Trumps Einreiseverbot für bestimmte muslimische Länder teilweise in Kraft treten kann. In Reaktion darauf wird das Weiße Haus heute Abend besonders weiß erstrahlen.

 

25-06-2017

Fast alle amerikanischen Präsidenten haben Tagebuch geführt, viele von ihnen sogar täglich. Trump aber ist der erste, der es öffentlich tut. Sein Twitter-Account ist sein Tagebuch. Ein Twiary. Ein klassisches Werk minus Stift, Papier und Gedanken, die weiter als 140 Zeichen reichen. Ein solches Tagebuch war für sämtliche Präsidenten vor ihm eine Unmöglichkeit, ein sogenanntes TaBu.

 

24-06-2017

Das letzte bisschen Erfahrung ist dahin, und eine Strategie gibt es nicht. Die Trump-Regierung hat die 2009 gegründete diplomatische Einheit für Pakistan und Afghanistan ohne Vorwarnung aufgelöst, und in dem noch verbliebenen Büro für Zentral- und Südasiatische Angelegenheiten sind alle wichtigen Stellen bezüglich Afghanistan unbesetzt. Stattdessen schickt das US-Militär 4.000 neue Soldaten ins Land. Aber das ist nur konsequent. Trumps Motto "Jobs! Jobs! Jobs!" heißt in Afghanistan in Wahrheit nämlich "Shots! Shots! Shots!"

 

23-06-2017

Ich sitze am Schreibtisch und erfinde die Welt. Mein Amerika besteht aus Worten. Meine Erfahrungen sind Leseeindrücke. Meine Informationen stammen allesamt von Fremden, die fernab von mir wohnen. Ich bin ein Lehnstuhlethnologe des digitalen Zeitalters.

 

22-06-2017

Trump ist gut zu Vögeln. Klingt wie ein Witz, ist aber keiner. Während einer Rede in Iowa hat Donald Trump beklagt, dass Windräder viele Vögel töten. Die Leute im Publikum haben genickt, auch wenn Trump keine Zahlen genannt hat. Aber die gibt's. Jährlich sterben in den USA ca. 300.000 Vögel durch Windräder. 10 Millionen lassen ihr Leben an Funkmasten, 400 Millionen knallen gegen Glasscheiben und 3,7 Milliarden werden von Katzen gefressen. Aber wehe, jemand beklagt, dass Katzen nicht gut zu Vögeln sind, dann schütteln die Leute nur mit den Köpfen.

 

21-06-2017

In einem Vorort von Atlanta/Georgia haben Demokraten und Republikaner anlässlich der Nachwahl für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus zusammen 55 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben. Zur Wahl gingen daraufhin genau 259.488 Menschen. Das macht 211,96$ pro Person. Dafür kriegt man in den Supermärkten im Wahlgebiet durchschnittlich 120 Kilo Vanille-Eis mit Cookies drin. Wäre vielleicht überzeugender gewesen...

 

20-06-2017

Tägliche Kritik an ein und derselben Sache bedeutet immer auch Abstumpfung, Aufgabegedanken und - noch vor allem anderen - das Wissen um die alles und jeden umschmeichelnden Plausibilitäten der Sinnlosigkeit. Aber eines bedeutet es nie: Akzeptanz.

 

19-06-2017

Es sterben einfach zu viele. Also beschäftigt das US-Militär ab sofort sieben statt zwei Mitarbeiter, um in Syrien und dem Irak die Tötungen von Zivilisten durch amerikanische Luftschläge zu untersuchen. Welch Fortschritt! Die "Humanität" des modernen Krieges besteht in der korrekten Zählung der Toten.

 

18-06-2017

Vatertag in den USA. Trumps Sohn Eric bekommt von seiner Frau eine "Make America Great Again" Schutzhülle für seinen Golfschläger geschenkt (denn die hatte er natürlich noch nicht), postet ein Bild des frisch umhüllten Kloppers auf Twitter und verlinkt auf den Shop der Donald Trump Webseite, wo es das Ding für 55 Dollar zu kaufen gibt. Es ist eine Socke mit Hut. Zum Glück eine schwarze und keine rote. Aber selbst wenn... Es ist Amerika. Es ist das Trumpire. Es ist alles nur Geschäft.

 

17-06-2017

Und weiter geht's im Kuriositätenkabinett der Karriereleitern: Lynne Patton, die Hochzeitsplanerin von Trumps Sohn Eric, ist vom Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung zur Chefin für das Gebiet New York und New Jersey ernannt worden. Erfahrungen in dem Bereich hat sie keine. Aber hey, immerhin fangen "Hochzeit" und "Hochhäuser" mit denselben vier Buchstaben an. Darauf lässt sich aufbauen.

 

16-06-2017

Kubarrikade?

Trumpimport!

 

15-06-2017

Es sammelt der Mueller,

es mahlen die Mühlen,

in Washington werden sie bald statt in Mehl,

in Donald's Geldspeicher wühlen.

 

Manche nennen sie Mäuse,

andere Ratten,

während Dritte glauben

man tät' sie beschatten.

 

Und während man in den Backstuben der Wahrheit

die Argumente wie Brote abwiegt,

sieht man wie sich draußen im drehenden Winde,

das Getreide zum Brechen hinbiegt.

 

14-06-2017

... und ihre Antwort auf die heutige Schießerei werden Waffen sein, noch mehr Waffen, und die Spirale wird sich weiterdrehen, wird sich zum Himmel hinaufschrauben wie ihre Gebete, in denen sie um Genesung und Gewehre bitten...

 

13-06-2017

Am 13. Juni 1966 erklärt der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten das Ausssageverweigerungsrecht für zulässig. Es räumt Angeklagten das Recht ein, zu ihren Taten zu schweigen.

Am 13. Juni 1977 publiziert die "New York Times" die Pentagon Papers. Die geheimen Papiere informieren die Öffentlichkeit über die kriegstreiberische Rolle der USA in Vietnam. Sie sind der Anfang vom Ende des Krieges.

Am 13. Juni 2017 verklagen zwei Staatsanwälte Donald Trump wegen unerlaubter Hotelgeschäfte. Die Medien berichten ausführlich darüber. Kurz darauf twittert Trump: "The Fake News Media has never been so wrong or so dirty."

Und ich? Ich merke mal wieder, dass die Geschichte nicht fortschreitet. Sie dreht sich einfach nur um sich selbst. Aber auch das ist keine neue Erkenntnis - und trotzdem ein seltsames Glück.

"Jede Epoche", erklärte der Historiker Leopold von Ranke auf einem Vortrag im Jahr 1854, "ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem Eigenen selbst."

Es wird sich zeigen, was das Geschrei des Donald Trump wert ist, und was die Gegenwart, die es durchschallt.

 

12-06-2017

Die Dialektik der Dezibel: Je lauter der Mann im Vordergund brüllt, desto ruhiger können seine Leute im Hintergrund arbeiten. Bildungsministerin Betsy DeVos vernäht Amerikas Schulen still und heimlich die Münder. Damit sie stumm bleiben und beten lernen. Denn gefaltete Hände bilden keine Faust. Sie bilden Schulen. Schulen wie Betsy DeVos sie mag. Erzkonservative, reaktionäre, christliche Privatschulen. Gelddruckmaschinen im Namen des Herrn, auch wenn er in diesem Fall eine Frau ist. Aber keine Sorge, Betsy DeVos spendet einen Teil ihrer privaten Milliarden. Zum Beispiel für Organisationen, die Workshops anbieten mit dem Titel "Pray away the gay".

Zeit, die verdammte Dialektik umzudrehen und es so richtig schön laut und deutlich zu sagen: DIESEN HOMOPHOBEN KREATIONISTEN GEHÖRT DER ARSCH ZUGENÄHT, DENN SIE HABEN IHN OFFEN!

 

11-06-2017

Ich weiß nicht, ob dieses Tagebuch ein Ausdruck der Hilflosigkeit ist oder einer des Protests. Andererseits... vielleicht sind das nur zwei Aggregatzustände ein und derselben Sache, vielleicht bedeutet Protest nichts anderes als sich einer Hilflosigkeit zu entäußern, die sich selbst nicht mehr erträgt.

 

10-06-2017

Donald Trump spielt heute mal wieder Golf. Dan Scavino, sein ehemaliger Caddy, ist inzwischen Social Media Chef im Weißen Haus. Damit hat er seine Möglichkeiten verzehnfacht. Bei Golf sind nämlich nur 14 Schläger erlaubt, bei Twitter dagegen 140 Zeichen. Und trotzdem: Obwohl aus dem Caddy ein Twüterich geworden ist, hat er seine ursprüngliche Rolle behalten, denn noch immer ist Dan Scavino vor allem eines: ein Handlanger, der Schlagdrein Donald Trumps.

 

09-06-2017

Wir schreiben das Jahr 2017. Ganz Washington ist von verrückten Republikanern besetzt... Ganz Washington? Nein! Ein unbeugsamer Republikaner hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Sein Name ist Walter Jones. Er ist Verteter des Repräsentantenhauses, abgeordnet aus North Carolina, und hat heute als einziger auf republikanischer Seite gegen die Deregulierung der Wall-Street gestimmt. Er hat auch schon gegen die Abschaffung von Obama-Care votiert. Und letztens den Leuten erklärt, dass das US-Militär sechs Millionen Dollar ausgegeben hat, um neun seltene italienische Ziegen in Afghanistan anzusiedeln, in der Hoffnung, die dortige Cashmere-Industrie zu beleben. Allerdings, so Jones, wisse niemand, wo die Tiere jetzt sind und was aus ihnen geworden sei. Ich hoffe, Walter Jones findet die Ziegen.

 

08-06-2017

Comeyscher Tag heute: Trump hat nichts getwittert. Aber keine Sorge, er hat das Zwitschern nicht aufgegeben, er hat nur ein paar evangelikale Christen besucht, die der Tea-Party nahestehen. Und die haben ihren eigenen Vogel.

 

07-06-2017

Es ist keine Ironie der Geschichte, sondern der Zynismus der Gegenwart, dass die Whistleblowerin, die Informationen über russische Hackerangriffe auf die Präsidentschaftswahlen in den USA öffentlich machte und deshalb verhaftet wurde, den Namen Reality Winner trägt.

 

06-06-2017

Glücklich verkehrte Welt: Ich schreibe dieses Tagebuch nicht, um etwas von mir, sondern um etwas von einem anderen preiszugeben.

 

05-06-2017

Berylliose ist kein poetisches Wort. Es bezeichnet eine schleichende Vergiftung des Organismus, eine Lungenkrankheit, hervorgerufen durch die Verarbeitungen eines Metalls namens Beryllium, das im Flugzeug- und Schiffsbau, in der medizinischen Industrie und bei der Herstellung von Computern verwendet wird.

Seit 1975 arbeitete die ebenso unpoetisch klingende amerikanische Bundesbehörde zur Durchsetzung des Bundesarbeitssicherheitsgesetzes an strengeren Richtlinien bezüglich Beryllium, um Arbeiter besser davor zu beschützen. Nach über vierzig Jahren und unzähligen Kämpfen gegen Lobbygruppen der Industrie wurden die neuen Regeln Anfang 2017, kurz vor Ablauf der Präsidentschaft Obamas, fertiggestellt. Als sie jetzt unter Trumps Regierung zur Anwendung kommen sollten, wurden sie sofort ausgesetzt. Die hinter der Nichtanwendung der strengeren Richtlinien stehende Rechnung ist einfach: Arbeitsschutz kostet Geld. Berylliose dagegen nur Menschenleben. Menschenleben aber sind gute Kosten, denn die machen den Weg frei, für das einzige, was unter Trump zählt: Jobs. Neue Jobs. Neue Jobs voller alter, schleichender Vergiftungen...

 

04-06-2017

Terror in Großbritannien - und Trump wütet per Twitter gegen Londons Bürgermeister. Das Zitat, das er benutzt, ist aus dem Kontext gerissen, sein Vorwurf vollkommen falsch. Rufe nach Entschuldigung werden laut, aber die wird es nicht geben. In den über 31.000 Tweets des Trump-Twitter-Archivs findet sich nicht ein einziges Bedauern. Das einzige Mal, wo Trump das Wort "regret" in den Mund nahm, schrieb er: "My only regret is, that there isn't 3 Donald Trump's."

 

03-06-2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der amerikanischen Umweltzerstörungsbehörde, hat sich einmal mehr als republikanische Idealbesetzung erwiesen und in Washington mit einigen Getreuen den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen gefeiert. Aber nicht irgendwie und irgendwo, sondern mit einem Abendessen in einem furznoblen französischen Restaurant, das den Namen "Le Diplomate" trägt. Ich hoffe, die Schnecken haben ihm in den Salat geschissen.

 

02-06-2017

"Ohne Pariser ist's heißer!"

 

(Aus: Donald Trump: Pa(a)riskante Spiele, Washington D.C., 2017.)

 

01-06-2017

Großer Wahnsinn lässt mittleren Irrsinn wie kleinen Unsinn aussehen, und auch wenn es nicht unmittelbar sinnfällig ist, trägt Trumps stumpfsinnige Politik dazu bei, dass Merkel im Herbst wiedergewählt wird. Im Schatten desjenigen, der wie von Sinnen handelt, schlüpft sie in die Rolle der Besonnenen.

Ein Kreuz macht die Hand, und unter ihr wandern Millionen nach rechts. Sinnlos zu hoffen, sie täten es nicht.

 

31-05-2017

Saudi-Arabien will zwanzig Milliarden Dollar in den USA investieren. Partner vor Ort ist Blackstone. Wie passend: Schwarzer Stein in Mekka, Schwarzer Stein in New York. Und der Vorsitzende der Blackstone Group heißt - natürlich - Schwarzman. Wem das an dunklen Mächten noch nicht genug ist, das heißt, wer jetzt noch immer nicht schwarz sieht, lese einfach den Wikipedia-Eintrag von Mohammed bin Salman, der sich von saudischer Seite aus mit Donald Trumps persönlichem Busenfreund und Berater Schwarzman zusammengetan hat. Gute Nacht.

 

30-05-2017

Merkel hält Trump für unzuverlässig.

Melania hält ihn für unverlassbar.

Trump selbst hält sich für unverletzlich.

Und ich? Ich halte ihn für unerlässlich.

Für dieses Tagebuch, dessen Ende ich mir unablässig wünsche.

 

29-05-2017

Eine kleine Statistik der Statisten: Bisher hat Donald Trump in seiner Funktion als Präsident rund 1.300 Personen getroffen. Unter ihnen waren mehr Geschäftsleute (273) als republikanische Politiker (258). 79% seiner Dates hatte er mit Männern, die wiederum zu 80% weiß waren. Bei Golfbällen lag die Quote sogar bei 100%.

 

28-05-2017

"Wieder zu Hause. Verdammte Europäer! Bin froh, dass der Atlantik zwischen mir und denen liegt. Immerhin, hab eine neue Idee, was Mexiko betrifft. Werde den Mauer-Plan aufgeben und den Golf von Mexiko verlängern lassen. Aufbruch zu neuen Ufern, Durchbruch bis zum Pazifik. Diese Europäer werden schon sehen, was Inselationismus heißt."

 

(Aus: Donald Trump. Po-Po-KlaTSche. Politische Positionen. Klar, Transparent, Scheckheftgeflegt, Washington D.C. 2017.)

 

27-05-2017

 

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26-05-2017

Bei der Nachwahl zum Repräsentantenhaus in Montana gewann ein Mann ohne Haare gegen einen mit Hut. Frisurenfragen waren diesmal nicht wichtig. Weniger war einfach mehr. Nur leider nicht vom Guten...

 

25-05-2017

Nur so ein Gedanke... Ein Schriftsteller lebt in Fiktionen und lässt sie mit seinen Worten zu Realitäten werden. Donald Trump lebt in der Realität und macht mit seinen Worten Fiktionen daraus.

 

24-05-2017

Trump beim Papst, Gott beim Therapeuten. Und Melania, was macht die? Greift beim Ausstieg aus dem Himmelsfahrzeug nicht nach der Hand, die Donnie ihr reicht. Ein Skandal? Ach was! Ein christliches Gebot, eine - wie passend! - im Jahr 2017, in Rom, vor aller Augen, erbrachte Referenz auf Johannes 20,17, ihr ganz persönliches noli me tangere.

 

23-05-2017

Trump schnappt sich SNAP, das Supplemental Nutrition Assistance Program, besser bekannt als Lebensmittelhilfe. Schnappt sich einfach das Budget und schnabuliert's auf. 192 Milliarden Dollar weniger, verkündet sein Schnabel.

Eine Schnapsidee? Ein Grund für Schnappatmung? Nur für Schnappschwänze und Schnäppchenjäger. Aber die zählen für ihn nicht, denn er zählt sich nicht zu ihnen. Er ist schließlich Donnie "The Snapper", und während sie im Westen nach Luft schnappen, schnäbelt er im Osten Steaks mit Säbelscheichs.

 

22-05-2017

Trumpel in Israel.

Trouble is real.

 

21-05-2017

Und es ist Sonntag in Amerika, und kein Donald ist im Land, und alle atmen auf und aus und ein und durch, denn es ist der erste Tag seit Monaten, der ihnen eine Ahnung davon verschafft, wie es mal gewesen ist, damals, als das Lachen über den Clown noch Teil der Aufführung war (und er es ihnen nicht täglich zurück in die Hälse gestopft hat), eine Ahnung, wie es einst war und irgendwann wieder sein wird... dann, wenn alles ganz anders ist und das Luftholen in den Unbemerktheiten des Tages verschwindet, wenn es in ihm aufgeht wie ein Teig voller Hefe, den irgendjemand - ein Zauberer vielleicht? - vor aller Augen in eine Schüssel gelegt und unter seinem Tuch zum Verschwinden gebracht hat.

 

20-05-2017

Durchbruch in der Entwicklungshilfe! Donald Trump und die saudi-arabische Regierung haben über 100 Milliarden Dollar für den Jemen bewilligt. Die Nachricht schlug in dem von Hunger und Armut geprägten Land ein wie eine Bombe. Das Geld, so heißt es, werde vom Himmel fallen.

 

19-05-2017

Trump auf großer Auslandsreise. Heute ist er in Saudi-Arabien, morgen in Israel - ziemlich verzwickte Interessen, komplizierte Materie, reichlich vermintes Gelände, überhaupt nicht sein Ding. Danach geht's weiter zum Papst in den Vatikan, da gibt's bestimmt auch nur Gemecker. Aber dann, dann geht's endlich nach Belgien - und mit Belgien kennt er sich aus, zu Belgien wusste er schon letztes Jahr im Wahlkampf etwas zu sagen. "Also, Belgien", hat er gesagt, "Belgien ist eine wunderschöne Stadt."

 

18-05-2017

Chelsea Manning ist frei. Endlich! Aber vergessen wir nicht all die anderen, die wegen ähnlicher "Vergehen" noch immer in Haft sitzen: Jeremy Hammond, der die kriminellen Machenschaften von Stratfor öffentlich machte, Ryan Johnson, der sich dem Einsatz im Irak widersetzte, oder Jeffrey Sterling, der als geheim eingestufte Informationen weitergab und damit politische Skandale aufdeckte.

Ein Sprichwort sagt: Ehrlich währt am längsten. In diesen Fällen muss es wohl eher lauten: Ehrlich sitzt am längsten. Allerdings nicht am politischen Hebel, sondern im amerikanischen Knast.

 

17-05-2017

Man könnte Donald Trump aufgrund dessen, was er sagt und tut, als Witzfigur betrachten, als ein irres Maskottchen der amerikanischen Demokratie, aber das ist er nicht, im Gegenteil, er ist ihr ureigenstes Abbild, ihr reinstes Produkt - der auf die Washingtoner Erde gekommene Sohn der Gründerväter.

 

16-05-2017

Mein Anagramm-Generator ist ein schlaues Kerlchen. Als ich ihm heute mitgeteilt habe, dass Trump und Erdogan sich treffen, hat er gesagt, er wisse alles über die beiden. Er brauche nur ihre Namen zu hören und schon sei ihm klar, was da gespielt wird.

Na schön, hab ich gesagt, dann erklär mir doch mal, was die Ziele der beiden sind, was bei denen gerade politisch so läuft.

"Mordant purge", hat mein A.G. mit Blick auf Erdogan gesagt, "eine alles wegbeißende Säuberungsaktion."

Und Trump, hab ich gefragt, was macht der gerade?

"Dormant purge", lautete die Antwort, "eine stille Säuberungsaktion."

Verstehe, hab ich gesagt, und wie erreichen sie das?

"Tamper ground", meinte mein Eeh-Tschie bezüglich Erdogan, "Grundlage fälschen."

Und Trump?

"Argument drop", war seine Antwort, "kein Argument zulassen."

Klingt plausibel, hab ich gesagt, aber weißt du auch, worüber sie heute gesprochen haben?

Aber mein Eeh-Tschie meinte, sie hätten nicht gesprochen.

Aber was haben sie dann getan, wollte ich wissen, was war das zwischen den beiden heute im Weißen Haus?

"A grunted romp", hat er gesagt, "ein dahingegrunztes Techtelmechtel."

 

15-05-2017

Weisheitszahn-OP, gleich gehen die Lichter aus. Also noch flugs im Kopf nach einem blöden Gedanken gesucht und den Tag a priori verbucht...

Was ist der Unterschied zwischen Donald Trump und Wladimir Putin?

Ganz einfach: Der eine nimmt immer nur den Mund voll, der andere dagegen kaut jedes Mal auf.

 

14-05-2017

Flash-Mob auf einem von Trumps Golf-Plätzen nahe Los Angeles. 200 Leute legen sich auf den kurz geschnittenen Rasen und formen den Schriftzug "RESIST!" Die Betreiber der Anlage rufen die Polizei, die ist innerhalb von Minuten vor Ort, positioniert sich mit Mann und Maus auf dem Clubhaus-Balkon - und greift nicht ein. Niemand wird verhaftet, und nach einer Stunde gehen alle wieder nach Hause.

Ein Zeichen der Hoffnung? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch ein Ausdruck der Selbstsicherheit eines Systems, das Kritik auf der Oberfläche (des Rasens) zulässt, um Zeit zu haben, sie tief in sich einzusaugen, und das heißt: sie zu assimilieren und sich untergründig nutzbar zu machen, um daraus zu lernen, damit "das System" gestärkt fortschreiten und noch widerstandsfähiger, noch endgültiger, noch unausweichlicher, kurzum: damit es UNWIDERSTEHLICH werden kann.

 

 

13-05-2017

Donald Trump hat heute vor Studenten einer privaten christlichen Universität gesprochen. Das Wort Wissenschaft hat er in seiner Rede allerdings kein einziges Mal in den Mund genommen. Stattdessen hat er erklärt: "In America, we don't worship government. We worship God."

Eine passende Aussage für eine Hochschule, in der die Lehrkräfte die Evolutionstheorie ablehnen und die Studierenden dazu verpflichtet werden, ein ganzes Semester lang Kurse in kreationistischer Biologie zu besuchen, weshalb es dann auch kein Wunder ist, dass man in der universitätsseigenen Sammlung das Alter der dort aufbewahrten Saurier-Fossilien mit 3.000 Jahren angibt.

Und Trump? Der weiß dazu nichts zu sagen - und hat mit seinem Satz im Grunde auch schon alles gesagt, schließlich hat er seinen Ausspruch nicht als Regierungschef getan, sondern als der Gott, für den er sich hält.

 

12-05-2017

"Wer Scheiße baut, darf auch auf die Kacke hauen."

 

(Aus: Donald Trump: Apologetische Aphorismen, Washington D.C. 2017.)

 

11-05-2017

Wenn's Frühling wird,

kommen sie hoch,

die Toten aus den New Yorker Central-Park-Teichen.

 

Ein einfaches Prinzip: steigt die Temperatur des Wassers,

steigt die Menge der Bakterien darin,

unaufhörlich, wie die Zahl von Trumps Twitter-Nachrichten.

 

Die Bakterien aber sind glücklich, sie haben Arbeit und Unterkunft

in den Brusthöhlen der Leute,

direkt neben den Herzen, die für niemand mehr schlagen.

 

Dort produzieren sie Gase,

eine kleine, unterirdische Industrie,

vertreten nicht von Gewerkschaften, sondern von Lobstergruppen.

 

Und während die Bakterien arbeiten,

bekommen die Körper Auftrieb

und steigen, ganz langsam, aus der Tiefe empor.

 

Aber wehe, wenn die Krebse sie kriegen,

die fressen den Auffahrenden Löcher in die Brust,

und dann laufen die Herzen über und die Gase entweichen.

 

Und dann? Dann wird's Sommer,

und in den New Yorker Central-Park-Teichen

haben ein paar den Grund ihres Daseins auf ewig gefunden.

 

10-05-2017

Comeytenhafter Absturz heute.

 

09-05-2017

Ajit Pai, seines Zeichens Jurist, Republikaner und Vorsitzender der amerikanischen Bundesbehörde für Telekommunikaton, will die Netzneutralität aufgeben, um, wie er sagt, das Internet freier zu machen. Freiheit aber bedeutet für ihn Deregulierung. Deregulierungen aber waren schon immer eine Grundlage für Klassengesellschaften - und das heißt: für Ungleichbehandlungen. Sie sind die eigentliche Essenz und das wahre Ergebnis dieser Form von Freiheit. Und das soll auch so sein, denn die Gleichbehandlung von Übertragungswegen - und das heißt in letzter Konsequenz: die gleichberechtigte Verbreitung von Daten im Netz - klingt in Ajit Pais Ohren nach digitalem Kommunismus. Er dagegen ist ein Mann des Kapitals. Einer, der die Schnelligkeit einer Entwicklung an der Geschwindigkeit misst, mit der die digitalen Dollars durch die Datenkabel rauschen. Ajit Pai heißt in Wahrheit Ajit Pay.

 

08-05-2017

Am 12. März 1989 dankte der amerikanische Schriftsteller Thomas Pynchon, der heute achtzig Jahre alt wird, dem durch eine Fatwa vom Tode bedrohten Autor Salman Rushdie in den Buchseiten der "New York Times" mit den Worten, dass Rushdie mit seinen "Satanischen Versen" all jene, die schreiben, daran erinnert habe, dass ihre Pflicht die eines Ketzers sei und dass die geschworenen Feinde des Schriftstellers die Macht und jene Unvernunft sind, die sich in Grundlosigkeiten ergießt und Alternativlosigkeiten gebiert.

An dieser Pflicht hat sich - achtundzwanzig Jahre und eine schier endlose Reihe machthungriger Herrscher später - nicht das Geringste geändert.

 

07-05-2017

Donald Trump hat alles erreicht. Und doch, folgt man seinen Worten, so ist es, als sei Amerika ein Synonym für alles, was noch nicht wahr geworden ist. Ein Möglichkeitsraum, dem die Geschichte die Erfüllung versagt hat. Doch jetzt ist ER gekommen. ER, der sich selbst nichts versagt, wird Amerikas Bestimmung erfüllen. Denn ER ist sich sicher: Das Schicksal seines Landes ist seins. Wenn Amerika ihm folgt, wird es groß, wird es siegen, wird es ein RE-ICH.

 

06-05-2017

Das Weiße Haus hat ein Foto veröffentlicht, das zeigt, wie Trump mit Republikanern des Kongresses den Sieg über Obamacare feiert. Darauf zu sehen sind 49 Männer und 1,3 Frauen. Die eine ist fast komplett vom Vizepräsidenten verdeckt, die andere hinter einem feisten Glatzkopf verschwunden. Alle lachen aus komplett rasierten Gesichtern. Es dominieren hellblaue Krawatten. Die Anzüge darüber haben die Farbe der Tinte, mit der Trump seine Dekrete signiert. Niemand trägt etwas Grünes.

 

05-05-2017

Die Republikaner im Kongress sind sich einig: Obamacare wird in Teilen abgeschafft. Allerdings herrscht Uneinigkeit in der Frage, ob der Obama- oder der Care-Anteil gestrichen werden soll.

 

04-05-2017

Barack Obama schreibt ein Buch.

Hillary Clinton schreibt ein Buch.

Ivanka Trump schreibt ein Buch.

Ich schreibe - kein Buch.

Ich schreibe nur Tagebuch.

Ich schreibe, wie andere Bücher schreiben.

Ich bin ein Mann fremden Geletters.

Ich bin ein von den Tagen Entlöhnter.

Ich bin ein Schrifthintenansteller.

 

03-05-2017

Nach über hundert Tagebucheinträgen ist es mir endlich gelungen, eine definitive Definition der USA zu liefern. Also: Die USA ist ein Land, wo die Gouverneure ganz reich sind und immer irgendwie machen, was sie wollen. Sie sind Repukraten oder Demokaner, sehen aus, als seien sie einer Simpsons-Folge entsprungen, besitzen dutzende Firmen, haben früher mal viel Sport gemacht, genießen den Geruch von Schweiß jetzt als Basketballtrainer, essen gern Mayonnaise-Sandwiches und geben ihren Kindern Namen wie Jay und Jill, weil sie heimlich Alliterationen lieben und sich selbst Jim Justice nennen, auch wenn die Leute in ihrem Bundesstaat mehr als sonst irgendwo im Land an Gewalt und Drogen sterben, aber hey, das ist das Leben, das ist Amerika, ich hab's euch gesagt...

 

02-05-2017

Trump will heute mit Putin am Telefon sprechen. Wie ist das möglich? Gelten Telefonate zwischen zwei Egomanen nicht eigentlich als Selbstgespräche?

 

01-05-2017

Die US-Demokraten setzen auf die Macht von Graswurzelbewegungen beim Widerstand gegen Trump und bei der Erneuerung der eigenen Partei. Unterdessen steigen die Verkaufszahlen für Rasenmäher im ganzen Land stark an - und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Laut der Studie "Power Lawn & Garden Equipment Market in the U.S." wird die Zahl der Rasenmäher bis 2021, dem Anfangsjahr der nächsten Präsidentschaft, "signifikant wachsen".

 

30-04-2017

In den USA hat die Umweltbehörde ihre eigenen Analysen zum Klimawandel aus dem Netz genommen. Sie werden, so heißt es, überarbeitet. Draußen, vor dem klassizistischen Riesengebäude der Umweltbehörde, fernab der gut gekühlten Räume, in denen die frisch geleerten Server stehen, überarbeitet der Klimawandel unterdessen die Realität. Für Washington D. C. werden morgen 28 Grad erwartet.

 

29-04-2017

"Alle berichten über meine 100 ersten Tage und wie chaotisch, verrückt und aufregend sie waren. Aber niemand schreibt über meine 100 letzten Nächte und dass ich sie in trauriger Einsamkeit verbracht habe. Überall nur noch Fake-, nirgends mehr Fuck-News. Ungerecht!"

 

(Aus: Donald Trump: Libidonnie, Washington D.C. 2017)

 

28-04-2017

Die deutschen Reformatoren heißen Luther und Melanchthon, die amerikanischen Mnuchin und Cohn. Ihre Kirche ist die Finanzindustrie, ihr Katechismus das Steuergesetz. Für ihre Thesen aber brauchen sie nur ein einziges Blatt Papier. Die Trinitätslehre der beiden Einfältigen heißt 35 - 25 - 10. Die Sachsischen Goldmänner lieben die Zahlen. Ihr Wittenberg heißt Washington, ihr Glaube buchstabiert sich als Gier.

 

27-04-2017

USA vs. Nordkorea, Trump gegen Kim Jong-un, Frisur 1 gegen Frisur 2. Der Tag der Entscheidelung naht. Dem Seitenscheitel sind alle Mittel recht, und der Mittelscheitel erklärt, sich von seiner schlimmsten Seite zu zeigen. Wer verliert, wird frisiert. Der andere nimmt den Hairway to Heaven.

 

26-04-2017

Es gibt keine Entwicklung in diesem Tagebuch. Es ist eine Coming-of-Page-Geschichte, die jeden Tag aufs Neue beginnt.

 

25-04-2017

+++ FrauengipFeldversuch +++ IvanKanzlerin +++ TrUmprogrammierung +++ TochtErfolg +++ StaatsMannwerdung +++ VatErtrag +++

 

24-04-2017

Es ist schwer zu sagen, ob ein Land, das pro Jahr 611 Milliarden Dollar fürs Militär ausgibt, ein besonders reiches oder ein besonders armes Land ist. Vielleicht ist es einfach beides. Und noch ein drittes dazu. Ein schizoides, schisszoides, schießzoides Land.

 

23-04-2017

"Melania wird immer kälter zu mir. Ich friere Tag und Nacht. Von wegen steigende Temperaturen. Es herrscht Eiszeit! Selbst mein Twittervögelchen ist schon ganz blau."

 

(Aus: Donald Trump: Liebes Klima, du hast dich verändert,

Washington D.C. 2017)

 

22-04-2017

World Earth Day, und überall wird gegen die zunehmende Umweltzerstörung protestiert. Auch in den USA, dem Land, das den einst gefährdeten Weißkopfseeadler in seinem Wappen trägt. Er war eines der ersten Tiere, das in die Liste zum Gesetz für den Schutz bedrohter Tierarten aufgenommen wurde. Jetzt aber ist das Gesetz selbst bedroht. Ein paar republikanische Weißköpfe im Kongress wollen ihm die Flügel stutzen. Komische Vögel sind das, denke ich mir, und nehme Benjamin Franklins "Gesammelte Schriften" zur Hand. Franklin schreibt: "Was mich betrifft, so wünschte ich, man hätte den kühnen Adler nicht zum Repräsentanten unseres Landes gewählt, denn das ist ein Vogel von schlechtem moralischen Charakter." Er hätte lieber den Truthahn genommen, denn "wenn er auch ein wenig eitel und einfältig ist, so tut ihm das, als Emblem Amerikas, keinen Schaden..."

 

21-04-2017

Melania hüllt sich in Hervé Pierre und Christian Louboutin.

Ich hülle mich darüber nicht länger in Schweigen.

Denn in meines Tagebuches Akten

zählen nur die nackten

Fakten.

 

20-04-2017

An der mexikanisch-amerikanischen Grenze wurden im März knapp 17.000 Menschen festgenommen. Im Dezember waren es noch 60.000 gewesen. Bei Eltern mit Kindern sank die Zahl von 16.000 auf 1.100 ab. Ein Siebzehn-Jahre-Tief. In seinen Ausläufern, südlich der großen Schicksalslinie, warten unterdessen noch immer zahllose Menschen auf ihre Chance, derweil andere umkehren und zurück ins Hinterland irgendeines Hinterlandes gehen, das nicht nur keine Erfüllung, sondern auch keinen Glauben mehr kennt.

 

19-04-2017

Negative Dialektik: Je mehr Menschen sich gegen Trump engagieren, desto mehr engagiert sich Trump gegen die Menschen.

 

18-04-2017

In den USA hat Innenminister Ryan Zinke verkündet, dass die Mitarbeiter seines Ministeriums demnächst testweise ihre Hunde mit ins Büro bringen dürfen, um die interne Zusammenarbeit zu verbessern und die Arbeitsmoral zu erhöhen. Ein Mehr an Mitarbeit und Moral wird auch dringend nötig sein, denn Präsident Trump plant, das Budget des Innenministeriums um 12% zu senken. Mit anderen Worten: Der Innenminister ist auf den Hund gekommen, weil sein Ministerium auf den Hund gekommen ist.

 

17-04-2017

Marx wollte die permanente Revolution, Trump dagegen will die permanente Re-election. Sein Kampagnen-Team hat schon 13 Millionen Dollar gesammelt, damit er 2021 ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt werden kann. Eine halbe Million Dollar Spendengelder ging allerdings mehr oder weniger direkt an Trump, da die Kampagneros in seinen Immobilien Büros gemietet haben und dafür kräftig zahlen. Aber auch der Secret Service und seine Agenten sollen, wenn schon nicht bluten, so doch zumindest blechen. Zum Beispiel für die Golfcarts, die sie auf Trumps Platz in Mar-a-Lago mieten müssen, um den Präsidenten beim Ballspielen zu beschützen. Allein damit hat Trump bisher über 35.000 Dollar verdient. Und die Golfcarts rollen weiter. Wochenende für Wochenende. In Permanenz. Und das müssen sie auch, denn statt Revolution und Rentnerdasein zählen für ihn nur Re-election und Rendite. Oder, um es mit Trumps eigenen Worten zu sagen: "Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass ich der erste Präsidentschaftskandidat sein werde, der sich um das Amt bewirbt und damit auch noch Geld verdient."

 

16-04-2017

Was Donnie nicht gelungen ist, hat Bini geschafft: Sie hat das zerrissene Amerika geeint. Alles, was Bini Adamczak dafür tun musste, war, ein Buch zu veröffentlichen. 100 Seiten haben gereicht, um das Land in die Einheit zu führen, denn nichts eint mehr als ein gemeinsamer Feind. Ein Blick in die Zeitschriften, Blog-Beiträge und Online-Foren zwischen Seattle und Miami macht's deutlich. Seit Tagen stehen Millionen Amerikaner Seite an Seite, bereit, vom Text- ins Schlachtfeld zu ziehen, um den Kampf aufzunehmen mit dem, was sie bedroht: eine deutsche Autorin und ihr Buch mit dem Titel "Communism for Kids".

 

15-04-2017

RUSyriaA

 

14-04-2017

In der Psychogeografie Trumps führen alle Wege direkt auf ihn zu. ER ist seine eigene To-Donald-Liste.

 

13-04-2017

Auf die Politisierung der Öffentlichkeit reagiert Trump mit der Privatisierung der Politik.

 

12-04-2017

Donald Trumps Sohn Eric behauptet, die Bombardierung eines syrischen Militärflughafens durch die Amerikaner zeige, dass es keine Verbindungen zwischen seinem Vater und Russland gebe.

Als wenn das dröhnende Gegeneinander beim öffentlichen Material- und Menschenschlachten nicht seit jeher die Basis für das stille Miteinander der großen Geschäftemacher wäre.

 

11-04-2017

Hiobsbotschaft für Konservative. Der republikanische Gouverneur von Alabama ist wegen einer Sex-Affäre zurückgetreten. Ist er ein Sünder? Ach was, er ist ein Sieger! Bei dem seit 1900 laufenden Wettkampf um die meisten Sex-Affären amerikanischer Bundespolitiker liegen die Republikaner dadurch jetzt mit 39:25 in Führung. Ich hab das eigenhändig nachgezählt, und es passt auch sonst. In Hiob 39:25 steht schließlich geschrieben: "So oft die Trompete klingt, ruft es: Hui!"

 

10-04-2017

Wenn Trumps Präsidentschaft etwas Gutes hat, dann ist es die Tatsache, dass diejenigen, die - oft aus reiner Verzweiflung - auf die Wirkung von Worten vertrauen, ihre analytischen Fähigkeiten geschärft haben und anfangen, die schier endlose Reihe an Vorhängen aufzuziehen und die Hinterbühnen zu beschreiben, auf denen sich jene mit der Maske des Pragmatismus verwachsenen Machtmenschen tummeln, die - seien es Russen oder Amerikaner, Araber oder Juden - den Einfall von Licht und Publikum scheuen.

 

09-04-2017

Nordkorea, wir kommen. Unsere Schiffe öffnen das Land wie unsere Matrosen in den Häfen die Schenkel der Frauen. Wir sind geübt in diesen Dingen, denn wir haben das schon mal getan. Damals, 1853, in Japan, als unsere schwarzen Schiffe kamen und das Land von der Politik des Isolationismus befreiten. Jetzt kommen wir wieder. Wir sind der Stoßtrupp der Freiheit, wir sind der Türöffner zu unserer Welt.

 

08-04-2017

Oh, all ihr Hobos und Eisenbahn-Tramps, eure Freiheit liegt in den letzten Zügen. Das ländliche Amerika wird entkoppelt und der Bahnen beraubt, auf denen ihr zieht. Mile um Mile verrostet zur Sesshaftigkeit. Wer hätte das gedacht? Die Kunst der Bewegung und des Treibenlassens endet im Budgetplan eines Transportministeriums, in einer Handvoll Büros, in denen die einzigen Reisebeschreibungen die Dienstanweisungen von Sesselfurzern sind.

 

07-04-2017

Schluss mit dem Isolationismus, ein Hoch auf den Freihandel. Ab heute erfolgen die Waffenlieferungen an Syrien auf dem direkten Weg.

 

06-04-2017

Seit sich Donald Trump ungeniert im Glanz seines Präsidenten-Ich sonnt, verzeichnen die großen Zeitungen in den USA steigende Abonnentenzahlen. Die lokalen Blätter aber gehen vor die Hunde. Der Ausverkauf ist ein Musterbeispiel für Wirklichkeitsabsorption. Erst verschwindet die Zeitung vor Ort, dann der Ort selbst. In Idaho etwa gibt es seit Monaten Proteste gegen die drohende Privatisierung von öffentlichem Land. Die Investoren aber bleiben im Dunkeln. Es sind, so scheint es, unbeschriebene Blätter, geführt und regiert von Männern ohne Gesicht. Sie werden gewinnen gegen die, die bald keine Stimme mehr haben.

 

05-04-2017

Bildungsministerin Betsy DeVos hat im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum die Wichtigkeit mathematisch-technischer Bildung betont und dafür geworben, dass mehr Mädchen entsprechende Fächer studieren. Unterdessen sieht Donnie Darkos Budgetplan vor, den dazugehörigen Bildungs- und Förderprogrammen der NASA sämtliche Mittel zu streichen. Ein Widerspruch? Mitnichten! So eine Null ist geradezu die Grundlage für Höhenflüge. Er selbst ist das beste Beispiel, schließlich liest er nach eigenen Angaben keine Bücher, hat aber schon siebzehn geschrieben.

 

04-04-2017

Trump fordert "Jobs! Jobs! Jobs!", aber nicht im Außenministerium. Dort sind bei den leitenden Beamten noch immer 30 von 106 Stellen unbesetzt. Bei den Staatssekretären fehlen sogar 7 von 9. Ihr Chef, Rex Tillerson, ist ein König ohne Stab, denn der wurde über ihm gebrochen. Also spielt er den Draußenminister und fährt im privaten Fahrstuhl jeden Tag hoch in die 7. Etage in sein palastartiges Büro, derweil Trumps inhäusiger Schwiegersohn durch die zerstörte Weltgeschichte fliegt.

 

03-04-2017

Mein kleines Tagebuch ist im Grunde nichts anderes als die fortdauernde Nacherzählung einer Alternativweltgeschichte, die sich in die Realität verlaufen hat.

 

02-04-2017

Seit Donald Trump Präsident ist, werden in den USA immer weniger Waffen verkauft. Die einzigen, die seit der Amtseinführung aufrüsten, sind Schwarze und Homosexuelle. Als Obama Präsident war, war es genau andersherum. Der Schwarze im Amt brachte immer mehr weiße, heterosexuelle Männer dazu, sich Knarren zu besorgen.

Es sind Entladungen der Angst. Es ist die amerikanische Form des Beweises, dass alle Menschen gleich sind.

 

01-04-2017

Ein Aprilscherz ist was Schönes. Aber nicht, wenn er sich mit Hilfe einer Reality-Show auf Dauer gestellt hat und vier Jahre lang Murmeltiertag mit der Ungläubigkeit spielt. Andererseits, die Verwunderung wäre in diesem Fall noch zu ertragen. Wirklich schlimm dagegen ist, dass jeder, auch ich, inzwischen Donald Trump für den amerikanischen Präsidenten hält.

 

31-03-2017

In der Trump University wurden keine Lateinkurse angeboten. Ein Akt des Selbstschutzes. Sonst hätte noch einer der Kursteilnehmer gemerkt, dass eine Trump-Universität a priori eine contradictio in adiecto ist.

 

30-03-2017

Größer und größer sollte sein Land werden,
aber es wurde nur wärmer und wärmer,
und die Meere stiegen und stiegen,
und Quadratmeile für Quadratmeile
versank
in verwässerten Zahlen
und aufgeweichten Papieren.

 

29-03-2017

Der Gesichtsausdruck Trumps nach der Unterzeichnung eines Dekrets ist das verfleischlichte Sinnbild der Sinnentleertheit der Macht, die sich allein ihrer selbst gewiss ist und sich in jener Absolutheit erschöpft, deren eigene Quelle sie ist.

 

28-03-2017

Manche Menschen suchen in Büchern nach der Lösung des Welträtsels, nach geheimen Bibelcodes und gigantischen Verschwörungskomplotts. Ich dagegen bin ein einfacher Geist, und deshalb frage ich meinen kleinen Anagramm-Generator, was er über Edward Scott Pruitt, den Chef der US-Umweltbehörde, weiß.

Er sagt, Pruitt sei traurig, höhnisch und korrupt.

sad twitted corrupt

Aber warum?, will ich wissen.

Weil er eine Postkarte ist, auf die alle was draufgemalt haben.

postcard drew tutti

Alle?, frage ich.

Der Anagramm-Generator überlegt, dann nennt er Namen.

dictator stud twerp

Und ich begreife, dass es Diktator Gelbhaar war, der dem kleinen Scotti eingebläut hat, was er sagen soll. Weil Gelbhaars Vokabular aber sehr begrenzt ist, die Karte jedoch schön voll werden sollte, hatte er all die studierten Zuchthengste, die ihn umgeben, eingeladen, auch was auf die Karte zu schreiben, und auch sonst durfte jeder Blödmann, der einen Kohlestift in der Hand halten konnte, vorbeikommen und seine Wünsche notieren.

Das klingt übel, sage ich.

Ja, sagt mein Anagramm-Generator, dabei hab ich nur ein bisschen mit dem Offensichtlichen gespielt...

 

27-03-2017

Ich sitze in der Sonne und lese über somalische Flüchtlinge, die in den USA Asyl beantragt und vom State Department einen Platz in Alaska zugewiesen bekommen haben. Inzwischen sind es so viele, dass sich dort eine eigene somalische Gemeinde etabliert hat.

Es ist das Leben und das Lesen. Es ist die imaginierte Wärme einer Gemeinschaft von Afrikanern im kalten Alaska, während ich im frühlingshaften Leipzig allein in der Sonne sitze und die Haut auf meinem Gesicht langsam verbrennt.

 

26-03-2017

Ich suche nach Inspirationen für meinen heutigen Tagebucheintrag, aber alles, was ich finde, ist ein Artikel in der Huffington Post. Titel: "11 praktische Wege, um voll und ganz im Hier und Jetzt zu leben." Punkt 9 lautet: "Schreiben Sie ein Tagebuch."

Diese Typen wissen nicht, was sie erzählen! Mein Hier und Jetzt dauert schon sechseinhalb Stunden, und ich habe noch immer keine Idee, was ich schreiben soll. Ich bin ein Hilfloser, der das Tagebuch eines Hilflosen füllen muss. In Punkt neun heißt es: "Es gibt Tage, an denen es schwer ist, in der Gegenwart zu leben." Falsch! Es gibt Tage, an denen es schwer ist, die verdammte Gegenwart loszuwerden!

 

25-03-2017

In Kalifornien schlägt sich die Anhängerschaft Trumps mit Gegnern.

In Florida schlägt Melania allein auf einem Fundraising-Dinner auf.

In Virginia schlägt Donald Trump stundenlang auf Golfbälle ein.

Amerika ist in Schläglage geraten.

 

24-03-2017

Die Differenz zwischen Fake und Fakt ist klein. Bei mir beträgt sie gerade mal 3,9 cm.

 

23-03-2017

Heute vor 178 Jahren erblickte das allseits beliebte Wörtchen "OK" das Licht der Welt, schwarz aufscheinend in der Boston Morning Post auf der zweiten Seite, in der zweiten Spalte, in Form von zwei kursiv gesetzten Kleinbuchstaben, die sich wiederum auf zwei Worte bezogen, die in zwei Varianten existierten, deren zweite zwar nicht mit abgedruckt, dafür aber absolut erstrangig war: all correct = oll korrect = o.k.

Verfasser des dazugehörigen Textes war ein gewisser Charles Gordon Greene von der Anti-Bell Ringing Society, einer Vereinigung, die angetreten war, das allgemeine Klingelstreichwesen zurückzudrängen und als Freizeitbeschäftigung stattdessen das Umbuchstabieren bekannter Wörter propagierte, in der Absicht, selbige samt echt falscher Abkürzung in die Zeitung zu bringen, schließlich wünschten sich Greene und seine New-Speller nichts mehr, als dass "die vormals okkulten Neulinge zwischen den schwarzen Lettern Funken schlagen, die Köpfe der Leser in Flammen setzen und ihre Münder entzünden."

 

22-03-2017

Ein Impeachment für das alternde Pfirsichgesicht? Es scheint, als ziele man auf den Kern, doch sind es in Wahrheit Fruchtfleischattacken. Die Haute Couture der modernen Politik: Das Abziehen der Haut im Zeitalter der Show. Pyrrhus trifft Potus, Potjomkin ruft Putin. Wo man einst ganze Häuser entkernte, werden heute nur noch die Kulissen verrückt.

 

21-03-2017

Ich sehe schwarz, wo ich orange sehen müsste. Und ich sehe orange, wenn ich schwarz sehe. Das ist verwirrend, aber das Ergebnis ist klar und lässt sich leicht formulieren: Die Vorstellung, dass Donald Trump das Staatsoberhaupt von Puerto Rico ist, will mir einfach nicht in den Kopf, noch nicht mal als Fiktion.

 

20-03-2017

Am 26. August 1941 besucht der Schriftsteller Thomas Mann eine große Abendgesellschaft in L.A. Es gibt gepflegte Cocktails und wilde Konversationen. Nach einer Weile ruft irgendein Typ "America first!" und "We are the hope of the world!" Als die Party fast schon vorbei ist, kommt schließlich noch Erich Maria Remarque.

27.600 Tage später gibt es noch immer nichts Neues unter der amerikanischen Sonne.

 

19-03-2017

Sie kommen aus dem Big-Business.

Sie gehen in die große Politik.

Sie gründen ihr eigenes Politik-Business.

Sie gieren.

Sie agieren.

Sie re-gieren.

 

18-03-2017

Baden-Baden hat Steven Mnuchin empfangen. Die Stadt gibt das Beste, was sie hat - eine dicke Schicht alteuropäischer Patina für den Spieler aus der Neuen Welt. Sie wird helfen, aus dem Goldjungen einen Staatsmann zu machen.

 

17-03-2017

In den USA erwägt Heimatschutzminister Kelly Familien zu trennen, wenn sie illegal die Grenze überqueren.

In Deutschland hat sich die Kelly Family wieder vereint und will demnächst auf große Tour durch mehrere Länder gehen.

Irgendwie ist immer alles verkehrt.

 

16-03-2017

Amerika und sein Präsident - keiner weiß mehr.

Amerika und sein Präsident - keiner weiß mehr.

 

15-03-2017

Trump ist heute bei einer Wahlkampfveranstaltung in Nashville.

Wahl gibt's zwar keine, aber gekämpft wird hier immer. Erst kürzlich hat ein Kerl aus der Gegend einen 47-Ender erlegt. Weltrekord! Das Geweih wird demnächst in der Baptistenkirche gezeigt. Für die Besucher gibt's Fachinformationen und ein Fleischdinner aus Elch, Reh, Ente, Wildschwein, Truthahn und Eichhörnchen. Danach sagt der LifeWay-Pfarrer noch ein paar Worte.

 

14-03-2017

Es ist die Sprache, die spricht. Es ist die Welt der Worte, die die Welt der Dinge schafft - oder sie im Verschweigen dem Vergessen anheim gibt...

Das Weiße Haus hat gestern neun "Opfer von Obamacare" eingeladen, damit sie dem Präsidenten berichten. Zur selben Zeit präsentierte zwei Meilen entfernt das unabhängige Budgetbüro des Kongresses eine Analyse, wonach 14 Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren, wenn das Konzept der Republikaner umgesetzt wird.

Für Trump kein Problem. Für ihn gibt es nur den Einzelnen, eine soziale Gemeinschaft existiert für ihn nicht. Er hat das Wort "Gesellschaft" weder in seiner Antrittsrede noch in der vorm Kongress auch nur ein einziges Mal verwendet.

 

13-03-2017

Scott proved it again! Scott Pruitt, Chef der US-Umweltbehörde, hat erklärt, dass der CO2-Ausstoß nicht entscheidend für die Erderwärmung sei. Folge: Tausende wütende Bürger rufen in der Umweltbehörde an und legen sie mit ihren Anrufen lahm. Selbst die Praktikanten werden zum Telefondienst abbestellt. Und Pruitt? Der freut sich. Die Umweltaffen sind alle am Telefonieren und haben dadurch keine Zeit, den neuesten Bericht der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde zu lesen, demzufolge der Kohlendioxidgehalt der Luft in Rekordtempo wächst.

 

12-03-2017

Millionen Menschen

haben

Millionen Dinge

über Donald Trumps

eine und einzige

Frisur

gesagt.

 

Aber niemand ist bisher aufgefallen,

dass sie

der größtmögliche Gegensatz

zu einem

Igelschnäuzchen

ist.

 

11-03-2017

Tief in Jared Kushners jugendlichem Gesicht liegt bereits die Enttäuschung über sein kommendes Schicksal, das ihn ständig weiter nach oben führen und in jener zynischen Abgeklärtheit enden wird, die die Liebe anderer suchte und den eigenen Verrat fand.

 

10-03-2017

... und es ist Freitagnachmittag, und John Brody kommt von der Arbeit nach Hause, und Mary hat einen Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, und so sitzen sie da, essen und trinken und reden, derweil eine Etage über ihnen ihr Sohn seine Existenz einer Spielkonsole vermacht hat und im Zimmer nebenan seine Schwester auf dem Bett liegt und mit großen Augen eine Zeitschrift durchblättert, und für einen Moment ist alles gut in Amerika und die Welt draußen vor den Wänden existiert nur noch in Erinnerungen und kommenden Fiktionen...

 

09-03-2017

Hawaii klagt gegen Trumps neues Einreiseverbot. Die Insel will weltoffen wirken. 2016 hat sie die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge gegenüber 2015 um 350% gesteigert. Von zwei auf sieben.

 

08-03-2017

Pfauentag

 

07-03-2017

In zehn Tagen ist es so weit: St. Patricks Day. Der offizielle Trump-Shop verkauft deshalb ab sofort "Make America Great Again"-Caps in Irisch-Grün, das Stück für 50 Dollar.

Zu teuer? Ach was! Schließlich prangt auf der Rückseite der Shamrock, der kleine Klee, das irische Nationalsymbol. Eigentlich hat er drei Blätter - Ausdruck der himmlischen Trinität. Auf dem Trump-Cap aber hat er vier. Für die Iren ist das ein grober Fehler, für die 50-Dollar-Spender dagegen ein Symbol kommenden Glücks.

Und St. Donald? Dem ist das alles egal. Für ihn ist es einfach nur ein weiteres Zeichen, dass ER ganz oben angekommen ist. Ganz ganz oben.

 

06-03-2017

Die "Gays for Trump" sind am Wochenende für den Präsidenten auf die Straße gegangen. Von Diskriminierung keine Rede. Es ist alles Liebe, Einheit, Vaterland, und da sind natürlich auch die Breitbart News vor Ort. Die Breitbart-Reporterin berichtet von Andre Soriano, einem homosexuellen Designer, der 2013 in einer von Rihanna moderierten Reality Show den 7. Platz erreicht hat. Soriano, so die Reporterin, "wurde beim Anblick der vielen Trump-Unterstützer von seinen Emotionen derart überwältigt, dass er anfing zu weinen."

 

05-03-2017

In Zeiten wie diesen, wo offenbar ist, dass viel zu viel Macht in den Händen viel zu Weniger liegt, wird einem klar, dass eine andere Politik nicht heißen kann, eine andere Partei oder einen anderen Präsidenten, Kanzler oder Regierungschef zu wählen, sondern einem ganz anderen Ansatz zu folgen - dem Anarchismus.

 

04-03-2017

O'zapft is! Jetzt auch in Manhattan. Der OBaMa hat's angestochen. Das blonde Maß aller Dinge schäumt.

 

03-03-2017

US-Börse: 724 Milliarden Wertsteigerung in 24 Stunden. Macht 100 Dollar pro Erdbewohner. Gewinnausschüttung. Grundeinkommen. Welt samt Bevölkerung gerettet.

 

(Quelle: "Tagebuch eines Heilfrohen")

 

02-03-2017

Sich der Welt schreibend zu nähern heißt, ihr aus dem Weg zu gehen.

 

01-03-2017

Das State Department freut sich mitteilen zu können, dass die Keystone Pipeline XL 42.000 neue Jobs schaffen wird. Na gut, 38.100 davon sind Zulieferer und Service, von denen die meisten nur kleinere Aufträge erhalten. Und gewiss, nur 3.900 Mann haben direkt was mit dem Bau der Pipeline zu tun. Und klar, auch die werden nur ein Jahr lang Arbeit haben. Aber hee, wenn das Ding einmal steht, bleiben immer noch 35 dauerhafte Jobs übrig. Okay, ein paar davon sind in Kanada, aber trotzdem: 20 bleiben in den USA. Zwanzig neue Jobs für Amerika.

Das ist großartig!

Fragt sich nur, welcher Idiot aus dem State Department in den Report geschrieben hat: "Das geplante Projekt hat auf die Beschäftigungszahlen und das Einkommen in den USA keinerlei Auswirkungen."
Was soll denn das heißen, keinerlei Auswirkungen? Keinerlei heißt null. Aber zwanzig ist nicht null. Zwanzig ist unendlich viel mal mehr als null! Hat anscheinend keine Ahnung von Mathe, dieser Schreiberling. Und von Wirtschaft auch nicht. Kein Wunder, der Report stammt ja auch noch aus der Zeit von Obama. Ist bestimmt schon gefeuert worden, der Typ. Sein Glück. Bester Zeitpunkt für nen Rausschmiss. Kann er jetzt mitmachen beim amerikanischen Jobwunder. Gibt Millionen neuer Jobs. 42.000 davon allein bei der Keystone Pipeline!

 

28-02-2017

Militäretat?

BOOM! BOOM! BOOM! BOOM! BOOM!

 

27-02-2017

Heute vor fünf Jahren veröffentlichte Wikileaks Millionen e-Mails des us-amerikanischen Sicherheitsinformationsdienstes Stratfor. 2013 wurde der Aktivist Jeremy Hammond von einem Bundesgericht für den Hack, der die kriminellen Machenschaften von Stratfor offenlegte, zu zehn Jahren Haft verurteilt. Hammond ist heute fast völlig vergessen.

Dies ist meine klägliche Erinnerung. Dies ist meine kleine Klage.

Dies sind meine Zeilen, in deren Zwischenräumen sich die Hoffnung Luftschlösser baut.

 

26-02-2017

Wenn ein Politiker Politico zum Politikum macht, ist er offensichtlich mit seinem Latein am Ende.

 

25-02-2017

Chicago: Der Windy City bläst es rau entgegen, immer mehr Schießereien und eine steigende Mordrate. Das gefällt dem Präsidenten nicht. Er will Bundespolizisten entsenden, schickt dann aber doch nur Twittertiraden. Aber warum auch nicht - so setzt er nicht nur ein Zeichen gegen Gewalt, so setzt er gleich hundertvierzig.

Bei den Kriminalstatistikern sprudeln derweil die Daten wie Blut. Die Aufklärungsrate bei Tötungsdelikten liegt in Chicago bei 5%. Der Anteil Weißer an den Opfern ist ebenso hoch.

 

24-02-2017

... und die USA... und Mexiko... und Kolumbien... und El Salvador... und Brasilien... und Burundi... und Nigeria... und Mali... und Lybien... und der Jemen... und die Zentralafrikanische Republik... und die Demokratische Republik Kongo... und der Sudan... und der Südsudan... und Ägypten... und Syrien... und Israel... und Palästina... und die Türkei... und Pakistan... und Indien... und Myanmar... und die Philippinen... und Afghanistan... und die Ukraine... und Russland... und nie hört es auf...

 

23-02-2017

Dem US-Militär steht das Wasser bis zum Hals. Der Anstieg des Meeresspiegels droht in den nächsten Jahrzehnten 128 ihrer Stützpunkte zu verschlingen. Nur leider glaubt der Präsident nicht an den Klimawandel und kürzt der Umweltbehörde weiter die Gelder.

Die Pazifisten am Pazifik frohlocken schon. Das perfekte Abrüstungsprogramm: Wasser hoch, Waffen runter. Und mit ein bisschen Glück saufen die Russen und Chinesen auf der anderen Seite auch gleich noch mit ab.

 

22-02-2017

Wenn von allem, was wahr ist, auch das Gegenteil wahr ist, dann ist die Lüge eine Unmöglichkeit und die Zahl 132 ein Witz von der Größe der 133.

 

21-02-2017

Autokratische Politik ist konkret. Sie fängt einfach irgendwo an, bricht den ersten aus der gegnerischen Reihe heraus, dann den nächsten, den nächsten... Manche trifft es doppelt, manche gar nicht. Die Löcher sind nicht verlinkt, sie sind einfach zwei Einschläge nebeneinander. Unvorhersehbar, wen es als nächstes erwischt. Die Geschosse scheinen wahllos zu kommen, und doch haben sie alle ein Ziel und auch ein System. Sie schaffen sich ihre Ordnung im Einschlag.

Sie sind das Gedächtnis desjenigen, der feuert.

 

20-02-2017

Ablaufplan einer Demokratie

1. Fassung bewahren

2. Verfassung hochhalten

3. Fassungslosigkeit spüren

4. Verfassungslosigkeit erleben

 

(5. Fassung bewahren)

 

19-02-2017

Die Hölle, das sind die anderen,

aber die Gewöhnung daran, das sind wir.

 

18-02-2017

Scott proved it

 

Erst bekämpft' ich die Umweltbehörde,

jetzt bin ich ihr Boss,

denn was mich an ihr störte,

war, dass man dort die dreckige Luft nicht genoss.

 

Unser Klima wird sich nicht wandeln,

und falls doch, hat es Gott so gewollt,

wir aber dürfen seinen Plan nicht verschandeln,

weil er uns sonst bis in alle Ewigkeit grollt.

 

Also unterstütz' ich sie weiter, die Typen

von der Kohle- und Ölindustrie,

die Umweltaffen können schon mal üben,

deren Verständnis von Klimatologie.

 

17-02-2017

Linda McMahon, Ministerin für Kleinunternehmen. Perfekte Wahl. Braucht nur 20x20 Fuß zum Geschäftemachen. Spendet dafür groß. Und das Beste: Hat dreißig Jahre Erfahrung mit der Herstellung und dem Verkauf falscher Realitäten. Wahrhaft Wegweisende Entscheidung!

 

16-02-2017
... und dann sind da Leute wie Stephen Miller, und wenn ich ihn sehe, möchte ich lachen (aber das geht nicht, denn die Situation ist zu ernst) und ihn übertönen (aber das kann ich nicht, denn er ist auf allen Kanälen) und den Fernseher schwarz-weiß stellen (denn das ist die Zeit, aus der er kommt). Er, Stephen Miller, der unlängst erklärte: "Wenn jemand etwas Schlimmes über mich erzählt, dann ist das nicht wahr."

Er hat das ernst gemeint. Er kann das sagen. Er ist Donald Trumps Chefredenschreiber.

 

15-02-2017

Das American Action Forum veranstaltet sein alljährliches Regulation Rodeo. Wer in kürzester Zeit die meisten Regulierungen abwirft, wird zum Superstier gekürt. Bully Boy Donald packt den Papierkram bei den Hörnern. Laut dem AAF hat er schon über 24 Millionen Stunden Paperwork gespart. In gerade mal 27 Tagen! Super-American!

 

14-02-2017

Trudeau traf Trump - der Schöne besuchte das Biest. Wenn es nur so einfach wäre... Beide wollen das Öl, um den Sand aus dem Getriebe der Keystone-Pipeline zu spülen. Die Schmiermitteldiplomatie hat gerade erst begonnen.

 

13-02-2017

So geht das: Erst schenken die Franzosen den Amerikanern die Freiheitsstatue, damit die Welt von der Freiheit erfährt, die in beiden Ländern existiert. Dann bauen die Amerikaner eine Mauer vom Pazifischen Ozean bis zum Golf von Mexiko, damit ihre Freiheit erhalten bleibt. Anschließend errichten die Franzosen ebenfalls eine Mauer, und zwar rund um den Eiffelturm, damit auch dort die Freiheit gewährt bleibt. Und zum Schluss schenkt die Freiheit dem Rest der Welt Statuen von Franzosen und Amerikanern, damit alle erfahren, dass sie es ist, der man in beiden Ländern Denkmäler in Form von Mauern baut.

 

12-02-0217

Golfplätze sind das Arkadien der Mächtigen.

 

11-02-2017

Me lanija (slowenisch) bedeutet: "Ich schweige".

 

10-02-2017

Über die Global Gag Rule spricht man nicht. Kauft Ivankas Klamotten! Probieren Sie auch ihre Taschen. Sie finden Millionen ungewollter Babies darin. Spottbillig. Afrikanische Preise. Babies mit HIV sind sogar noch günstiger! Wer sich dennoch keins leisten kann, kauft einfach Ivankas Schuhe. Dann läuft's wie von selbst. Blutrot an den Beinen herab. Egal. Die Müttersterblichkeit bei illegalen Schwangerschaftsabbrüchen ist so oder so ein Witz. Dass die Frauen draufgehen, ist trotzdem nicht schön. Jedes Jahr 50.000 weniger, denen man an die Pussy greifen kann.

 

09-02-2017

Der militärisch-industrielle Komplex hat den Status einer Trinität erreicht. Das Schulsystem gliedert sich ihm an. Bildungsministerin Betsy DeVos und ihre Familie - die geldgewordene Ökumene.

 

08-02-2017

Trump! Trump! Trump! Und keine Worte über Liebe ...

 

07-02-2017

Vielleicht war Amerika nur ein Traum, ein Ort in unserem Kopf, und jetzt, wo es auftaucht wie ein urzeitliches Tier aus einem Sumpf, wie ein wabernder Batzen Fleisch aus einem kochenden Sud, da können wir es nicht glauben, und hoffen, es möge das Fleisch des Tieres sein, das wir da sehen, und wünschen, dass es geschlachtet worden ist und dass das Bild, wie dieses Monster aus seinem Sumpf rauskriecht, nur in unserem Kopf existiert.

 

06-02-2017

Menschen mit psychischen Störungen dürfen nach einer Entscheidung des US-Repräsentantenhauses künftig wieder Waffen kaufen. Die National Rifle Association jubelt - und die psychisch Kranken auch. Wer eine multiple Persönlichkeitsstörung vorweisen kann, bekommt beim Kauf eines Sturmgewehrs gleich noch eins dazu.

 

05-02-2017

Tagebücher sind die Annalen des kleinen Mannes.

 

04-02-2017

Langsam verwesende Körper unter Maßanzügen. Überzüchtete Gehirne, die sich austoben wollen. Wall Street. Neue Freiheit. Statt Anklage die Anti-Klagemauer. Die Gebetszettel lesen sich alle wie Dekrete aus dem Weißen Haus.

 

03-02-2017

Die USA nehmen Bootsflüchtlinge aus Lagern der Australier auf. Laut Donald Trump wird das Heimatschutzministerium jeden einzelnen genau untersuchen. Eines werden sie aber bei keinem finden - die Menschenwürde. Die haben ihnen die Australier schon genommen.

 

02-02-2017

Es ist mir unvorstellbar, wie die Welt in vier Jahren, nach dem Ende von Trumps Präsidentschaft, aussehen wird. Aber noch viel unvorstellbarer ist mir, wie die Einträge in diesem Tagebuch dann aussehen werden. Es scheint, als erfordere das Abbild einer Zeit mehr Vorstellungskraft als die Zeit selbst.

Aber warum auch nicht? Alle Historiographie ist ein Sich-Distanzieren. Schritt hält der Schreibende nur mit sich selbst. Das Imaginäre ist die geschichtsmächtigste Kraft.

 

01-02-2017

"Donald Trump" - eine Anagrammatik der Tat

 

Kapitel 1:

Darn Mud Plot.

Das Dreckskomplott verwünschen.

 

Kapitel 2:

Damp Lord Nut.

Herrn Dummnuss schwächen.

 

Kapitel 3:

Punt Mad Lord.

Den verrückten Herrscher wegkicken.

 

31-01-2017

Das geschliffene Wort richtet nichts aus gegen grobe Dekrete. Wenn sie etwas bewirken will, muss die Feinfühligkeit Fleisch werden.

 

30-01-2017

Sonny Perdue, Landwirtschaftsminister. Das gutmütige Großvatergesicht verbirgt die Fratze der gnadenlosen Agrarindustrie. Ökologische Landwirtschaft, Unterstützung kleiner Farmen, Tierschutz, Arbeitnehmerrechte, Maßnahmen gegen den Klimawandel – damit ist es aus und vorbei. C'est perdue.

 

29-01-2017

Die deutsche Kriegsministerin ordert sechs CARE-Pakete aus Metall, und der amerikanische Rüstmeister gibt sie ihr. Er ist der Super-Hercules. Ein großer, kräftiger Mann, der sich eine transatlantischen Wippe gebaut hat, auf deren einen Seite er sitzt, damit die dünne Frau auf der anderen fliegen kann.

 

28-01-2017

εἰρωνεία / eironeia (ein Faktogramm)

Ironie heißt verstecken. Ihr Fehlen ist im Falle von Trump eine doppelte Offensichtlichkeit.

 

εἰρωνεία / eironeia II (ein alternatives Faktogramm)

Ironie heißt vortäuschen. Im Falle von Trump bleibt uns nur das Nachsehen. Immerhin, es stehen drei Versionen des Nachsehens zur Auswahl. Wir können uns also entscheiden.

 

27-01-2017

Trump ist der Retter des Fernsehens. Er bezieht seine Informationen aus dem TV und reagiert darauf via Twitter. Er hat die Nachrichtenkette umgekehrt. Aber das ändert im Grunde nichts. Das Ereignis ist ER – und wie rum man eine Kette hält sowieso egal. Hauptsache, man hält sie in der Hand.

 

26-01-2017

The New Furor spricht: „Der Anfang meiner Worte ist das Ende eurer Welt.“

 

I: ex


M: k.o.

 

25-01-2017

Im Weißen Haus treffen sich weiße Männer mit weißem Haar um Obamacare möglichst schnell auszuradieren. In den Kohlegruben von Kentucky bereuen derweil weiße Männer mit schwarzen Lungen ihre Wahl. Wenn Obamacare fällt, platzen ihre Gesundheitsabsicherungen wie unter Hochdruck stehende Lungenbläschen. Graue Tage für sie.

 

24-01-2017

Meine Worte ändern nichts. Sie sitzen neben der Realität und schauen ihr beim wahr werden zu. Es ist, als würden sie Fernsehen schauen. Das ist schön, und es macht mich glücklich. Genau wie der schwindende Einfluss der Literatur. An ihrem Nullpunkt liegt eine neue Freiheit.

 

23-01-2017

Washington D.C., 8 Grad, Regen, dazu eine Sturmwarnung vom Nationalen Wetterdienst. Das muss sich ändern! Papier und Tinte werden's richten. Sturmwarnungen verfasst in Zukunft das Oval Office. Alles in trockenen Tüchern. Superpowermontag.

 

22-01-2017

Donald klagt, die Presse fördere den Zwiespalt. Er erkennt das an seinen Haaren. Der Spliss hat zugenommen. Melania ist Haircare kaufen gegangen. Damit wird er das Land einen.

 

21-01-2017

Auf der Rückseite der Proteste gegen den ins Amt Eingeführten wartet die Gewöhnung geduldig auf ihren Einsatz. Sie wird kommen, so wie er gekommen ist. Das Normale ist das Machbare plus Zeit.

 

20-01-2017

Inauguration: Der Vogel hebt ab und deutet den eigenen Flug, seine Tätigkeit wird nur auf der zerbügelten Haut seines von innen gegerbten Gesichts den Charakter eines Opfers tragen.