Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe.

Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar,

daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen."

 

Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905

 

 

Tagebuch eines Hilflosen

 

23-09-2020

Man darf nicht denken, dass die amerikanische Öl- und Gasindustrie beim Präsidentschaftsrennen nur aufs republikanische Pferd setzt. 2016 waren die Zuwendungen fast gleich verteilt. Für Trump gab's 1,2 Millionen Dollar aus der reichlich verschmierten Spendenkasse, und für Clinton 1 Million. Aber seitdem haben sich die Zeiten gewandelt, will sagen: das Klima hat sich gedreht - und zwar im meteorologischen wie im machtpolitischen Sinne. Die Öl- und Gaslobbyisten wollen Trump jedenfalls unter allen Umständen als Präsidenten behalten. Er hat schließlich über Jahrzehnte hinweg ihren Stallgeruch angenommen und hat ihn auch im Amt nicht verloren. Damit das so bleibt, sind die Futterspenden diesmal noch größer als vor vier Jahren. Insgesamt haben die fossilen Interessenverbände bereits 1.514.901 Dollar in Trumps Wahlkampfkasse gepumpt. Das ist fünf Mal so viel wie Joe Biden bekommen hat, bei dem gerade mal 302.092 Dollar eingetröpfelt sind. Neben den Spender der Lobbyverbände gibt es aber noch die privaten Zuwendungen. Ginge es nach denen, hätte Biden das Rennen längst schon verloren. Allein Kelcy Warren, der Betreiber der vom Aus bedrohten Dakota Access Pipeline, hat Ende August mit einer einzigen Überweisung zehn Millionen Dollar in Trumps Wahlkampfkasse gespült. Zur Erinnerung: Warren hatte im Juni ein großes Fundraising-Dinner für Trump abgehalten, damit der sich dafür einsetzt, dass das schwarze Gold weiter sprudelt. Aber dann war im Juli ein Richter gekommen und hatte angeordnet, dass die Pipeline bis zum 5. August geleert und stillgelegt werden muss, weil die Umweltverträglichkeit nicht ausreichend geprüft worden ist. Die Entscheidung ist kürzlich von einem Berufungsgericht aufgehoben worden. Das Öl fließt also weiter, zumindest so lange die Umweltverträglichkeitsprüfung andauert. Joe Biden hat sich übrigens noch nicht zur Dakota Access Pipeline geäußert. Aber vielleicht wartet auch er ja noch auf eine Überweisung...